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STREIFZUG
EBERHARDSTRASSE

Eberhardstrasse

Bei unserem „Streifzug“ entdecken wir für euch neben den bekannten, auch die auf den ersten Blick versteckten Hausnummern Stuttgarts schönster Straßen.

Geliebte Stadt, manchmal machst du es einem wirklich nicht leicht. Da haben wir dich letztes Mal vor den anderen Großstädtern in den höchsten Tönen gelobt und prompt wurden wir auf sämtlichen Social-Bilder-Nachrichten-Blasen-Kanälen mit DER Schlagzeile des Jahres zugespammt: Sperrstunde in der Eberhardstraße – Clubsterben in Stuttgart.

Jetzt aber erstmal wieder alle Neune grade und die Kirche im Kessel gelassen. Die alte Laier, wer in der Stadt wohnt, muss auch ein bisschen Lärm ertragen, hängt einem zwar sowieso seit eh und je aus den Ohren heraus, im Jahresranking der meistzitierten Floskeln 2018 läuft sie aber selbst den Investoren-Hasstiraden nach dem Fluxus-Closing den Rang ab.


Klar ist, auch wir tanzen gerne mal bis in den Tag hinein und die frühmorgendliche Betätigung sollte auch absolut gar keinem abgesprochen werden. Klar ist auch, dass Restriktionen wie diese, die angesiedelten Betriebe vor immense Probleme stellen. Heißt aber noch lange nicht, dass jeder, der auch nur einmal im Jahr zu Silvester die Stuttgarter Clublandschaft von innen sieht, der breiten Öffentlichkeit seine höchst qualifizierte Meinung kundtun muss. Diese Kommunikationsfreude würde man sich manchmal eher vor Ort wünschen, mit einem offenen Ohr ließen sich für solche Unstimmigkeiten zwischen Bewohnern und Betrieben sicherlich weitaus zielgerichtetere Lösungen finden – wenn um 5 Uhr morgens dann alle vor dem Club stehen, ist schließlich auch keinem geholfen und die anderen „Störenfriede“, die bisher auch keinen Gefallen am nächtlichen Tanzvergnügen gefunden haben, sind ja auch mit Sperrstunde noch da.


Ganz schön viel Einleitung für einen „Streifzug“, aber bei so viel Medienrummel kann man ja nicht davon ablassen. Die Eberhardstraße ist nämlich, wie wir finden, eine ganz besondere Straße. Es gibt kaum eine andere in der Stadt, die Stuttgart so gut widerspiegelt, von der Technoperle bis zum Luxuspalast, von der gemütlichen Raucherbar bis zur feinen Con­fi­se­rie von der Dönerbude bis zum Traualter und den Sprung von der Zwei-Fuffzig-Schorle bis zum Champus innerhalb von 400 Metern muss einem erstmal einer nachmachen.

Nackter Mann und Anzugträger, Partyglitzer und Glamourpaare, Döner mit allem und Angus-Beef, Organic Cotton und Konsumtempel – Gelassenheit und geschäftiges Treiben, Euphorie und Bruddlerei. Und eigentlich scheint doch alles bestens zu funktionieren, sicherlich mit Höhen und Tiefen, aber doch immerhin von außen betrachtet eine harmonisch wirkende Koexistenz. Und manchmal überschneiden sich die Welten schließlich sogar, wenn sie dann Zusammensitzen am morgendlichen Frühstückstisch, die einen mit zufriedenem Lächeln auf den Lippen, weil sie auf eine fulminante Nacht zurückblicken, die anderen, ebenso zufrieden, weil sie gerade in einen wunderbaren Tag starten. Und so sollte das doch auch weiterhin sein.

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