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PLATTFORM #80:
„RETROSPEKTIVE 2018“
VON MARTIN ELBERT

Plattform #80

Save the planet, Leute, werft noch einmal die Strohhalme durch den Club, weil danach werden sie abgeschafft, aber Inlandsflug München <–> Hamburg ist immer noch voll okay (dreimal Bali im Jahr und einmal Dubai sowieso), lasst euch da bitte nichts anderes von den zwei schwäbischen Bonos Hartmut Engler und RIN einreden, und, natürlich, die Christmas Garden Wilhelma Lichtschlacht lässt beim ENBW-Vorstand dreams liven und alle küssen sich gegenseitig die Augen.

Deswegen fordere ich jetzt: Mehr Parkplätze für Kreuzfahrtschiffe in der Innenstadt. Die bitte so bauen, dass die Buslinie X1, the one and only Ex One, Stuttgarts erfolgreichstes öffentliches Verkehrsmittel für genau einen einzigen Fahrgast, dem Busfahrer, noch durchkommt. Und jetzt herzlich willkommen beim Kessel.TV Jahresrückblick 2018, wir senden abwechselnd live aus einem Ramen-Suppenteller (ohne Fleisch) und aus einer dieser riesigen Brustbauchtaschen von Gucci, die zum Jahresende immer größer wurden, eine G-Klasse hat ja schon jeder in dieser Stadt.

Am Gerber steht immer so eine total süße junge Checkercrew herum, mit Bluetooth-Box und im typischen 2018er Drogendealer-Look (Brusttasche, (wieder) breite, hochgekrempelte Hose, weiße Socken, Ugly Sneaker, du weißt schon), der dieses Jahr unisex ziemlich beliebt war. Die Gang wartet augenscheinlich auf ihren nächsten Einsatz in einem, nun ja, immer noch RIN-Video.

Alarm für Gerber 11, tatütata, macht das Martinshorn, wenn die Polizei und der uwebogen™ in die Breuninger-Parfümerie einfahren und sich Dior2001 gönnen. Oder Sneakersocken, fürs korrekte Flanking, gnihihi. Oder ein Pärchen Classic Buffalos, die es 20 Jahre nach ihrer ersten Influencerrunde tatsächlich zurück in unser Zeitalter der Hässlichkeit geschafft haben (vielleicht weil die Zeiten hässlich sind, raunt der Hobby-Zeitgeschehen-Analyst, der andere hält dagegen, ja, sind sie das denn wirklich?), weil sie natürlich the Blueprint of Ugly Sneaker sind.

Liebe Drogendealer-Nicht-Drogendealer, auch wenn das Taschengeld nicht für Ballernciagas von Kleiderkreisel reicht, Buffalos sind keine Lösung. Und ich verrate euch noch was: Ende der 90er ist man mit diesem Gummi-Dream (am schlimmsten war das Modell mit der offenen Verse) in keinen Laden mehr rein gekommen, weil das Kautschuk-Plateau ein absoluter Druffidorftrottel-Indikator war. Dazu noch aufgeschlitzte Hosen – ich denke, das kommt in seiner ganzen Trendwucht 2019 – und du hattest Stadtverbot. Für immer.

Bisschen dumm sein ist aber bekanntlich 2018 (sehr) lukrativ, siehe – immer noch – die unbändige Armee von Influencer(innen), von der man sich erhofft hat, dass die sich dieses Jahr von selbst erledigt. Vielleicht beim Battlefield of Products zocken, totally authentisch (alltime Top-Wort) hindrapiert. Man hofft, den ganzen Marketingabteilungen bleibt endlich ihr Intense Repair Shampoo im Hals stecken, bei diesen ganzen Müllposts in den immergleichen Lightroom-Presets, bei denen sich Comments der verfickten Community meistens auf „Du Schönheit“, „siehst toll aus, Süße“ oder „Schatz! Du bist so zauberhaft“ beschränken.

Daniel Wellington sieht das aber anders und schickt weiterhin jeder Kleinstadt-Streamerin mit 4G und „Du kannst alles schaffen“-Mentalität eine Uhr. Die Goldgräberstimmung auf Instagram hält weiter an, einfachhalber schreibt man, aufgrund irgendeines Urteils im Mai, unter jedem Post direkt Anzeige/Werbung (auch wenn man nur eine Privatperson markiert!!1!1!1!), und die 12-jährigen Fans denken, wow, der/die hat die fetten Deals und ich will auch Influencer werden. Währenddessen haben die Bitcoin Bandits ihre Minen längst verlassen, sind aber trotzdem Positive-Thinking Entrepreneure und schreiben jetzt Lebensratgeber („Umgib‘ dich nur mit Leuten, die dir gut tun“). Oder arbeiten wieder auf der Filiale der KSK Pforzheim.

Der Stream bleibt unendlich und die Untergrenze der Banalität wird scheinbar nie erreicht. So filmt sich Ina Aogo, die Frau von VfB-Spieler Dennis Aogo, dabei, wie sie rückwärts ihre G-Klasse (natürlich) einparkt und dabei erwähnen muss, dass dies mit einer Hand doch recht schwer sei. Man könnte da viele Fragen nach den vielen falschen Ebenen stellen, es bleibt aber oft nur ein sprachloses: „Warum?“ Und warum befasst man sich eigentlich damit? Vielleicht ist das altbekannte Unfallsyndrom (man kann nicht wegschauen) der größte Fehler überhaupt.

Plan für 2019: Wieder E-Mails ausdrucken, in Ruhe durchlesen und abheften. Und mehr Ex One fahren. Ohne das WLAN zu benutzen. Bis zur nächsten Hitze, wenn dir dann das Internet wieder gute Tipps gibt. 10 Dinge, die du bei Hitze machen kannst: 1.) Ins Freibad gehen. Danke für die Info.

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