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Wortwechsel: HILLSONS – IMPERIA

Hillsons – Imperia

Statt klassischem Interview lassen wir die Protagonisten bei unserem Wortwechsel selbst die Fragen stellen. Den Auftakt machen Iassen Markov vom kürzlich im Gerber eröffneten Imperia Concept Store gemeinsam mit Philipp Hettler und Valentin Hillengass, die im April mit dem Café-Bar-Bikerstore-Hybrid Hillsons im ehemaligen Milliways Einzug halten.

Iassen Markov: Wie wird das denn hier? Ich kenn noch gar keine Story von dem Laden.

Philipp Hettler: Ich hab den Laden ja davor schon gemacht, das Milliways. Das Ding ist, wir hatten so viel Ärger mit den Anwohnern. Wir hatten ja am Anfang das Konzept, dass wir von Dienstag bis Donnerstag DJs hatten und das hat leider nicht funktioniert, weil wir die ganze Zeit die Polizei da hatten und wir auch keine Tanzkonzession hatten. Der Vermieter kam auch auf uns zu weil es zu laut war und wir mussten es dann leider lassen. Dann haben wir einfach nur den Barbetrieb hier gemacht, konzeptlos im Endeffekt und haben es so vor sich hin schwimmen lassen. Mit meinem Konpagnion hab ich dann eigentlich gesagt, wir stoßen das Objekt einfach ab. Ich hab dann aber für mich entschieden, dass ich es weitermachen will und hab mir ein paar wie diesen Ganoven geschnappt, um hier ein neues Konzept zu starten und jetzt sind wir fünf an der Zahl, die es umsetzen.

IM: Und warum schauts hier grade so aus, seid ihr im Umbau?Sieht find ich richtig gut aus mit den Wänden.

PH: Ja so sah es zu der Party vor zwei Wochen aus.

IM: Ah da habt ihr eine letzte Party gefeiert?

Valentin Hillengass: Eine Adios-Zwischennutzung. Wir haben einfach alles rausgerissen und laute Musik angemacht. Hat funktioniert. War die letzte oder die erste.

IM: Und jetzt, wie läufts weiter?

VH: Schauen wir mal, hoffentlich gut. Ich glaube wir haben uns ziemlich viel vorgenommen, jetzt müssen wir mal schauen, was wir davon umgesetzt bekommen. Wir Fünf kennen uns schon ewig und fahren alle gern Motorrad und man kann da irgendwie nirgends abhängen ohne dass es so eine eklige Rocker-Kneipe ist. Jetzt haben wir das so in den Kopf gesetzt, mal sehen ob es klappt.

PH: Das ganze Ding soll eher lifestylemäßig aufgezogen werden. Es gibt Klamotten, Accessoires, ein Café und eine Bar, verschiedene Events, wir fahren gemeinsame Touren und wollen da auch kulinarische Geschichten mit einbinden. Eigentlich ist das alle ziemlich komplex, daher müssen wir mal schauen was wir in der Kürze der Zeit alles umgesetzt bekommen. Es soll alles ein bisschen in die Industrie-Richtung gehen.

VH: Es ist bisschen so „„Okay, lass uns einfach sechs Jahre in ungefähr eine Woche packen.“

Hillsons

IM: Und von den Klamotten und den anderen Sachen, die ihr verkauft – geht das bisschen in die Biker-Richtung?

PH: Ne, das sind einfach verschiedene Basics, geht ein bisschen in die Skate-Richtung. Wir fangen mal an mit Shirts, Jacken, dicken Hemden, Accessoires wie Caps und Gürtel und solche Sachen.

IM: Wie macht ihr es dann, kommt da vorne der Shop hin?

PH: Der Shop kommt nach oben. Wir werden neben unseren eigenen Sachen auch noch ein paar andere Marken mit Motorrad-Accessoires wie Visieren, Helmen und Handschuhen mit rein nehmen.

VH: Fährst du Motorrad?

IM: Nein. Aber vielleicht fang ich es jetzt an.

VH: Was geht im Imperia?

IM: Genau das gleiche.

PH: Ah auch Motorräder?

IM: (lacht) Klar, Helme, Visiere, auch ein Café …

PH: Okay, dann verkaufen wir hier einfach Blumen.

VH: Ist kein Problem, wir stellen hier einfach schnell um.

Hillsons – Imperia

IM: Die Blumen haben wir genommen, da es mit dem Beton-Space alles sehr industriell wirkt. Wenn du sehr viele harte Kanten hast und Pflanzen rein holst, fühlt es sich gleich ganz anders an. Wenn die dann gut beleuchtet sind hat man eine super Kulisse für Produkte.

VH: Wie lang hast du den Laden jetzt schon?

IM: Zwei Wochen.

PH: Und das ist dann erstmal temporär oder?

IM: Das war erstmal temporär gedacht. Wir haben aber eine sehr gute Resonanz bekommen und vom Gerber Management den Vorschlag bekommen, den Laden weiterzumachen. In welcher Form wissen wir noch nicht. Die sind da grade sehr offen und haben nicht streng vorgegeben, was in dem Laden passieren soll sondern gesagt, wir können machen was wir wollen. Die schauen auch immer wieder bei uns im Laden vorbei und sind sehr interessiert, was hier passiert. Man denkt immer wir seien ein Concept Store und haben ein konkretes Konzept – haben wir aber gar nicht. Unser Konzept ist einfach, kein Konzept zu haben. Das ist auch ein Konzept. Vor vier Wochen haben wir einfach gesagt wir machen das.

PH: Ach so kurzfristig?

IM: Ja, am 24. Februar haben wir das entschieden und dann ging es ratzfatz. Wir haben einfach mitten in der Nacht Leute angerufen und gefragt, ob sie bei uns ihre Klamotten verkaufen wollen. Stephan vom Ave oder Ella mit Büchern und Joanna hat ihren Kumpel angerufen und gesagt, wir brauchen 100 Schmuckstücke zum verkaufen. Die nächsten Tage ging es dann nur darum, wer mitmachen will. Was ihr da macht – eine Bar mit Donnerstag, Freitag DJs und dann zack, etwas anderes – so war es auch ein bei uns. Wir hatten keine große Vorbereitung, sondern eher so eine Art Sofort-Rezept.

Hillsons

PH: Ja das war bei uns eine ähnliche Richtung. Uns schwebte das schon lange im Kopf und wir haben früh drüber geredet, aber dann irgendwann war es dann so „Fuck, das ist jetzt dann ziemlich schnell, wir bräuchten eigentlich ein Jahr mehr Zeit.“ Aber jetzt muss es halt so gehen. Ich glaube die Zeit kommt nie, dass man sagt, okay, jetzt langsam darauf hinarbeiten. In Stuttgart kann man für so was keine Location finden.

VH: Aber genau das ist ja das geile: dass man währenddessen neue Ideen dafür bekommt.

IM: In Stuttgart ist es oft so, dass alles ewig besprochen wird und dann dauert es ein Jahr bis etwas passiert. Und in diesem Jahr wird ganz viel entwickelt und gemacht, aber noch mehr kaputt gemacht. Wenn man alles ganz schnell macht hat es eine besondere Magie und Poesie von Sachen, die einfach da sind. Nicht dass man Tabellen erstellt hat und Pro-Kontra-Listen, sondern man hat es einfach gemacht. Es ist wichtig, dass Leute auch einfach mal spontan Sachen machen.

PH: Viele haben da Angst davor und denken, sie verschulden sich oder es geht schief.

IM: Klar haben die Angst und es ist schon ein Risiko, aber es ist kein kleineres Risiko wenn man noch ein Jahr plant. Lieber fliegt man dann gleich auf die Fresse als nach einem Jahr.

VH: Da hat man einen Haufen Zeit gespart.

INFO: HILLSONS

Hauptstätterstr. 57 • hillsons.de

INFO: IMPERIA CONCEPT STORE

Das Gerber / Tübinger Str. 22 • fb.com/imperia-magazin

Fotos: © Jakob Marwein

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