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WORTWECHSEL:
STUTTGART AM MEER & NECKARWELLE

Neckarwelle Stadtpalais Wortwechsel

Statt klassischem Interview lassen wir die Protagonisten bei unserem Wortwechsel selbst die Fragen stellen. Bei 30 Grad und strahlendem Sonnenschein haben wir Susi und Matthias vom Neckarwelle e.V. und Andrea und Christoph vom StadtPalais / Stuttgart am Meer in einem Pool versammelt und über Wasser, Freiräume und Bürokratie geplauscht.

Christoph: Wie steht es denn jetzt eigentlich um die Neckarwelle? Gibt es irgendwelche Neuigkeiten?

Matthias: Momentan stehen unterschiedliche Haltungen gegenüber der Genehmigungsfähigkeit unseres Projektes. Es wurde Ende letzten Jahres eine sogenannte „Machbarkeitsstudie” durchgeführt, die an sich rundum erfolgreich war. Deshalb waren wir auch ziemlich überrascht, als dann im März die Nachricht kam, dass die Wasserqualität im Neckar für die Genehmigung der Neckarwelle nicht ausreiche. Die Verwaltung der Stadt Stuttgart kam zum Ergebnis, dass die Welle nicht genehmigungsfähig ist, weil eine Gefährdung Dritter nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden kann. Der Neckar ist kein Badegewässer – wir sind aber der Meinung, dass die Wasserqualität für das Surfen ausreicht. Es gibt ja auch vergleichbare Nutzungen, zum Beispiel das Wasserski-Fahren in Esslingen. Wir haben außerdem ein Rechtsgutachten, das zu einer anderen Einschätzung kommt. In Absprache mit dem Amt für Umweltschutz, wird das nun so laufen, dass wir überhaupt erst einmal einen formellen Antrag auf Genehmigung stellen, in dem wir auf die Sorgen der Ämter eingehen. Und so sind wir zuversichtlich, dass das Projekt dann doch genehmigt werden kann. Viele halten das für ausgeschlossen, aber wer etwas Neues machen will, denkt nicht so – und wir wollen etwas Neues machen!

Andrea: Wir sagen ja mit einem Augenzwinkern, dass Stuttgart am Meer ein Urlaubsort ist. Wir wollen auch Freiräume zeigen. Städtische Freiräume sind einfach total wichtig, um als Gestaltungsräume genutzt zu werden und wir versuchen in der Zeit von Stuttgart am Meer Freiraum für bestimmte Vereine und Initiativen zu sein, um sich zu präsentieren und zu zeigen, was eigentlich in Stuttgart passiert zur Zeit. Man hat immer so das Gefühl, viele sind aktiv und machen was, wissen aber gar nichts voneinander. Und hier hat man die Möglichkeit sich kennen zu lernen, vielleicht auch zusammen zu arbeiten, oder zumindest an einem zentralen Ort voneinander zu erfahren. Ist das denn auch etwas, was ihr mit der Welle versucht?

Susi: Auf jeden Fall! Das ist eigentlich unser Hauptziel. In Stuttgart gibt es kaum Flächen, wo man ans Wasser kann. Klar, bei Stuttgart am Meer schon – deshalb finden wir das auch so gut hier. Aber ansonsten muss man einfach immer aus der Stadt raus. Und das kann eigentlich nicht sein in einer Stadt, die „eigentlich“ einen Fluss hat. Deshalb ist das unser Ziel Nummer Eins.

Matthias: Stuttgart braucht das! Wir haben so viel Rückenwind bekommen, der Bürgerhaushalt hat das gezeigt. Und zwar nicht, weil alle, die da abgestimmt haben, surfen wollen. Obwohl auf jeden Fall viel mehr Leute surfen werden, auch wenn sie es nicht von sich erwarten. Es ist nämlich was ganz anderes auf einer Flusswelle, als auf dem Meer zu surfen.

Susi: Das hat man ja letztes Jahr auch hier bei der Welle im StadtPalais gesehen. Das haben total viele ausprobiert, die davor noch nie etwas mit Surfen zu tun hatten. Ich glaube viele sind hier auf den Geschmack gekommen. Deshalb waren wir dann letztendlich vielleicht auch so erfolgreich, weil viele hier gemerkt haben, dass Surfen echt was cooles ist.

Christoph: Also hat es euch als Verein schon gut getan?

Matthias: Ja, auf jeden Fall. Der Wunsch nach Wasser ist einfach da! Ihr merkt das ja auch hier und die Leute nehmen euer Konzept total gut an.

Christoph: Ja, aber es war gar nicht so einfach, das ganze Wasser in die Pools zu bekommen. Wir haben die alle mit einer 0,5-Zoll-Wasserleitung gefüllt, das dauerte Stunden.

Susi: Aber es lohnt sich! Und genau hier sieht man halt, dass die Leute so etwas wollen. Die saßen hier letztes Jahr bis zum Schluss und haben ihre Füße in die Pools gehängt. Und wenn es irgendwie eine Möglichkeit am Neckar gäbe, würden sie ihre Füße da rein hängen!

Matthias: Und den Auto Traffic zu den Badeseen zu unterstützen, ist der Wahnsinn. Momentan muss man sich ja wirklich ins Auto setzen und nach Tübingen oder was weiß ich wohin fahren, um an einen gescheiten Badesee zu gelangen. Und das ist ein wichtiger Punkt! Wir haben einen Fluss vor der Haustüre und leisten es uns, den als Dreckbrühe laufen zu lassen. Das muss geändert werden!

Andrea: Es passiert ja gerade mehr am Neckar. So, wie wir immer hoffen, dass wir hier vom StadtPalais Impulse geben, habe ich auch das Gefühl, dass hinsichtlich des Neckars Impulse gegeben wurden. Wir haben den Strand in Cannstatt, wir bekommen Fridas Pier. Ist es nicht so, dass die Stuttgarter den Neckar gerade ein bisschen für sich entdecken und auch wollen?

Susi: Das Thema ist einfach ein bisschen angeschubst worden und ich denke, wir haben unseren Teil dazu beigetragen. Es regt viele Bürger einfach auf, dass wir einen Fluss haben, den wir aber nicht nutzen können, weil die eingeleiteten Abwässer nicht ausreichend gereinigt werden. Ich glaube, dass es in den nächsten Jahren dort viele neue spannende Dinge geben wird. Vielleicht auch nur Gastronomie, also nichts wo man unbedingt badet, aber eben einen Wasserblick hat.

Christoph: Schwimmen ist ja an sich erlaubt. Das gilt als lebensrettende Maßnahme und ist somit nicht verboten. Baden dagegen schon.

Matthias: Es liegen wohl Anzeigen gegen einige Leute vor, die im Neckar baden gegangen sind. Wir mit den Surfboards dürfen jedenfalls jetzt schon rein, denn surfen ist nicht baden.

Andrea: Wie ist das denn eigentlich mit eurem Verein? Mit dem verbindet man ja gerade immer nur die Flusswelle. Seid ihr nur dafür da oder macht ihr auch noch etwas anderes?

Susi: Hauptsächlich haben wir den Verein gegründet, um dieses Projekt umzusetzen. Es gibt aber mittlerweile in Stuttgart eine wirklich starke Surf-Community, die sich im Verein gefunden hat. Durch den kann man sich gerade zu diesem Thema gut connecten. Daher sind wir mittlerweile schon mehr als „nur” dieses Projekt, wobei das natürlich immer noch im Vordergrund steht.

Matthias: Und wir fühlen uns, da das der Surf-Community eben sehr wichtig ist, dem Thema „sauberer Neckar” sehr verpflichtet und wollen uns engagieren. Wir haben übrigens immer noch die Hoffnung, dass Stuttgart 2020 surft!

Susi: Anmerkung von mir: Das ist nächstes Jahr!

Matthias: Keine Drohung aber auch kein Blödsinn 😉

VIELEN DANK AN UNSEREN FOTOGRAFEN CHRISTOPHER MÜLLER!

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