Wann hast du gemerkt, dass Kunst für dich mehr als nur ein Hobby ist?
„Für mich war es schnell klar, als ich mich damals für das Studium der Bildenden Kunst an der Kunstakademie Stuttgart entschieden habe und es danach nie einen Punkt gab, an dem ich das Handtuch werfen wollte. Glücklicherweise.“
Womit setzt du dich in deiner Kunst auseinander?
Das Spannende an der Malerei ist die Freiheit, das Gesehene zu archivieren. Ich verwerte und ändere eine Beobachtung, die ich mal hatte, so ab, dass am Ende auf der Leinwand nur noch ein für mich wichtiger Schnipsel daraus übrig ist. Durch Hinzufügen von anderen Ebenen entsteht dann ein ganz eigener Bildkosmos. Um es zusammenzufassen: Ich setze Dinge gerne in einen neuen Kontext zueinander. Auserzählte Geschichten interessieren mich hierbei eher weniger. Meine Kunst soll letztendlich die Fantasie der Betrachter:innen zu neuen Impulsen anregen. Für mich persönlich dient sie dazu, eine andere Realität zu schaffen und darin abzutauchen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus – oder gibt es den gar nicht?
Um 7 Uhr morgens werde ich von der feuchten Nase meiner Hündin Emmy wachgestupst. Nachdem wir im Wald Gassi gegangen sind, geht es dann ab ins Atelier. An manchen Tagen geht der Malprozess dann flott los und ich starte mit einer Flut an Ideen direkt an der Leinwand. Die grundiere ich zuerst und skizziere dann mit flüssiger Acrylfarbe die erste Farbschicht. Zwischendurch betrachte ich die Leinwand immer wieder. Bis zum nächsten Schritt kann es teilweise von Minuten bis hin zu Tagen dauern. Wenn ich mich blockiert fühle, hilft es mir, zu unterbrechen. Ich gehe dann nach Hause, um am nächsten Tag mit neuer Energie zu starten.
Wie viel Planung steckt in einem Werk und wie viel davon passiert spontan?
Am Anfang passiert sehr viel spontan und intuitiv. Ich setze zum Beispiel oft Acrylfarbe aquarellartig ein. Wenn diese getrocknet ist, sieht eine Form schon ganz anders aus. Erst in den nachfolgenden Schritten mache ich dann damit eine grobe Planung und es entsteht ein Gesamtgefüge, das mich oft selbst überrascht.
Wie würdest du deinen Stil in drei Worten beschreiben?
Markant, dynamisch und vibrierend.

Wann hast du künstlerisch zuletzt etwas komplett Neues ausprobiert?
Ich bin erst kürzlich in den Siebdruck eingestiegen. Das Druckverfahren setze ich parallel zu meiner Malerei ein, weil es sie gut ergänzt. Außerdem schärft die neue Technik den Blick für neue Aspekte in meiner Arbeit.
Wenn du mit einer Künstlerin oder einem Künstler zusammenarbeiten könntest, egal ob lebend oder tot, wer wäre das und warum?
Die Malerin Maria Lassnig. Ihr schonungsloser Umgang mit dem Thema des weiblichen Körpers imponiert mir total und sie gilt schon lange als eins meiner großen Vorbilder. Ihre Werke sind brutal und verletzlich, scharfsinnig und poetisch. Sie bringt die Ambivalenz des Menschseins ungeschält auf die Leinwand.
Was ist dein Lieblingsort in Stuttgart, um kreativ zu werden?
So verhasst die Baustellen in Stuttgart auch sind, für mich sind sie eine wahnsinnige Inspirationsquelle. Dabei befindet sich etwas im Umbruch und brodelt vor sich hin. Wie in meiner eigenen Arbeit nimmt auch hier das Material Form an. In meiner Kunst nutze ich oft Motive wie Handschuhe und Arbeitskleidung – alltägliche Dinge, die uns einen vermeintlichen Schutz bieten. Ich finde es spannend, damit zu spielen. Sonst liebe ich in Stuttgart die vielen Aussichtspunkte, wie den an der Zeppelinstraße. Den Blick in den Kessel finde ich immer wieder magisch. Diese Eindrücke nehme ich dann mit in mein Atelier in Bad Cannstatt.
Vertreten durch die Galerie Lauffer.
