„Struktur Stammheim“ heißt das Projekt von Regisseur Tobias Dusche und der Akademie für gesprochenes Wort. Ausgangspunkt ist jedoch nicht der alte Saal, sondern sein Nachfolger: das 2019 eröffnete Prozessgebäude des Oberlandesgerichts Stuttgart in Stammheim. Sicherheitsglas trennt dort Angeklagte, Prozessbeteiligte und Öffentlichkeit physisch voneinander – ein direktes Erbe der Stammheimer Prozessgeschichte. Genau diese bauliche Übersetzung von Kontrolle und Distanz ist der Ausgangspunkt für eine gut einstündige Komposition aus Sprache, Musik, Gesang und Geräusch.

Aufgeführt wird das Stück nicht im Theater, sondern in einem umgebauten Container auf dem Pariser Platz: dem „HörKiosk“, entworfen vom Stuttgarter Architekten Peter Weigand (umschichten), mit zwölf Plätzen auf einer Tribüne, einem Rollstuhlplatz und einer Plexiglasfront, welche die Zuhörer:innen selbst zum Teil der Inszenierung macht: Sie blicken nach draußen, werden aber genauso von außen gesehen.
Mitgewirkt haben unter anderem der Opernsänger Matthias Klink (Staatsoper Stuttgart), der Pianist Frank Eberle, die Schauspieler:innen Felix Strobel und Celina Rongen (Schauspiel Stuttgart), der Sprecher Orlando Schenk (Akademie für gesprochenes Wort), die Performerin Claudia Splitt und der Perkussionist Daniel Kartmann. Regisseur Dusches These dabei ist: Nur was vor Gericht ausgesprochen wird, zählt. Mündlichkeit ist das eigentliche Prinzip jedes Strafverfahrens und genau das macht er zum Material seines Hörstücks. Am Ende wird mehr als nur der Fall von 1975 verhandelt: Es geht um Gewaltenteilung, Demokratie und das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit.
Vorab kann man am 9. Oktober 2026 bei der Preview mit Live-Elementen in der Akademie für gesprochenes Wort reinhören. Die reguläre Laufzeit ist vom 15. Oktober bis zum 15. November 2026, jeweils von Donnerstag bis Sonntag.
Bilder: © Daniel Keller, Tobias Dusche
