Seit 20 Jahren macht eine Party in Stuttgart konsequent ihr eigenes Ding: Deep Funk, Soul und Latin-Grooves von Original-Schallplatten! Die „Soul Explosion“ setzt bewusst nicht auf Trends. Hinter dem Format steht Mark Hentschel alias DJ King Dynamite als Veranstalter, Booker, Promoter und DJ. Für die Stuttgarter Ausgaben reist der Berliner extra an und organisiert den Großteil selbst: vom musikalischen Konzept über die Gestaltung der Flyer bis zur inhaltlichen Ausrichtung. Ein klassisches Organisationsteam gibt es nicht, stattdessen hat er mit der Zeit ein Netzwerk an Helfer:innen um sich geschart.
Die musikalische Basis liegt im Funk der späten 60er- und 70er-Jahre. Statt bekannter Evergreens stehen seltene Pressungen im Fokus, oft Singles kleiner US-Bands, die nur ein oder zwei Veröffentlichungen haben. Es geht um Breakbeats, rohe Bläser und treibende Basslinien. Ergänzt wird das Set durch Latin-Einflüsse wie Boogaloo – eine New Yorker Kreuzung aus Salsa und Funk – sowie ausgewählte afrikanische Produktionen, die sich nahtlos in diesen Sound einfügen. Glatt ist hier nichts. Tanzbar schon.
Die „Soul Explosion“ startete ursprünglich in Berlin und wurde 2005 übernommen, bevor das Konzept nach Stuttgart kam. Dort entwickelte sich die Reihe schnell zu einer festen Größe im Nachtleben. Lange Zeit war der Bix Jazzclub so etwas wie die Heimat der Veranstaltung, zwischenzeitlich wich man auf Orte wie die Lerche 22, das Studio Amore oder das Goldmark’s aus. Zu jeder Veranstaltung füllt sich die Tanzfläche altersübergreifend. Anfangzwanzigjährige stehen neben Gästen, die schon die Anfänge der Reihe miterlebt haben. Manche gehen früher, andere bleiben bis zum Schluss. Das Publikum ist gemischt, der Groove verbindend.
Zum 20-jährigen Jubiläum am 7. März setzt die „Soul Explosion“ nicht auf große Showeffekte oder Gast-DJs. Gefeiert wird die Party so, wie sie immer war: mit einer durchdachten Auswahl an Vinyl und viel Rhythmus.
3 Fragen an DJ King Dynamite
Hast du eine besondere Erinnerung aus den letzten 20 Jahren in Stuttgart?
„Natürlich war das die allererste Party. Die war Anfang März im Rocker 33. Es hatte geschneit und war wirklich kalt. Ich dachte: „Da können wir jetzt auch gleich wieder nach Hause gehen“ und plötzlich standen da ganz viele Leute vor der Tür. Es war ’ne riesen Schlange und eine Wahnsinnsstimmung im Club. Alle haben getanzt wie verrückt. Das war meine prägendste Erinnerung: meine erste Veranstaltung in Stuttgart.
Eine andere Erinnerung, die ich besonders cool fand, fällt mir noch ein: Es kommen auch immer wieder viele Leute, die zum Beispiel Breakdance oder Locking und Popping machen. Neulich kam eine ganz große Gruppe, die Breakdance und Locking gemacht hat. Wenn man das richtig gut kann, mit den Händen und so, dann ist das wahnsinnig toll. Da gab es früher auch schon öfter Leute, die gekommen sind, aber das war jetzt schon wirklich sehr cool. Macht Spaß.“
Was hat sich seit dem Opening in Stuttgart verändert?
„Zunächst mal natürlich die Veranstaltungsorte: Wir waren dann jahrelang im BIX und davor auch ein paar Mal in den Wagenhallen. Das hat sich verändert. Mein DJ-Set hat sich auch ein bisschen verändert, es kommt auch immer wieder Neues dazu. Das Publikum verändert sich auch, aber im Grunde genommen gehen die Leute zur „Soul Exposion“, um zu tanzen. Die gehen auf die Tanzfläche und legen los. Das Publikum ist ja eigentlich der Star.“
Was wünschst du dir für die Zukunft der „Soul Explosion“ in Stuttgart?
„Ich wünsche mir auf jeden Fall, dass es noch ziemlich lange weitergeht. Ich werde ja auch nicht jünger, aber die nächsten 20 Jahre wäre es natürlich super, dass wir da regelmäßig noch was machen können. Und dass sich viele Leute dafür interessieren und dass es auch wieder mehr Soul gibt im Allgemeinen. Also auch Frieden und Soul in der Gesellschaft, aber auch für meine Party. Dass es einfach eine konstante, gute Sache bleibt und die jungen Leute das auch feiern und zu schätzen wissen – das fände ich auch super.“
