Ein Album ohne Druck: 3 Fragen an Leif Müller

Auf seinem ersten Solo-Album „Between Us” entwirft der DJ und Produzent Leif Müller einen bewusst sphärischen Gegenentwurf zu den oftmals kurzlebigen Clubsounds. Ganz
namensgetreu geht es auf der Platte vor allem um Verbindungen – zwischen ihm und seiner Arbeit, aber auch zwischen der Musik und den Hörer:innen. Im Gespräch spricht der Stuttgarter über Erwartungshaltung und warum er sich für das Album von genau dieser gelöst hat.



Was ist das Besondere an deinem neuen Album?
„Das Album ist für mich ein Herzensprojekt, sehr losgelöst von Erwartungshaltung. Oft ist es so, dass man beim Musik produzieren im Kopf hat, ob andere DJs die Tracks spielen – klar geht es in Folge dessen auch um Reichweite und Bekanntheit, um wiederum selbst als DJ gebucht zu werden. Während mein Album entstanden ist, habe ich mich davon komplett frei gemacht. Ich habe weder eine Erwartung daran, dass Gigs daraus entstehen müssen, noch dass die Musik gespielt wird. Es ist sehr konzeptionell, sehr ruhig, sehr sphärisch. Vielleicht steckt sogar ein bisschen Sehnsucht und Träumerei drin. Es soll dazu verleiten, dass man auf dem Sofa liegt, im Auto oder in der Bahn sitzt, die Musik hört und sich in Gedanken verliert. Es sind insgesamt acht Tracks und bis auf ein, zwei ist aus meiner Sicht nichts für den Club geeignet – vielleicht eher noch für einer Bar. In dieser ganzen Welt der Selbstdarstellung, in der es als selbstständiger Künstler elementar ist, wie du dich auf dem Markt darstellst, war es bei dem Album ziemlich geil, dass ich mich im Prozess davon komplett lösen konnte und für mich feststand: Ich mach’ das jetzt einfach, dann ist es da und dann mal schauen, was passiert.“

„Einfach mal machen!“ – das war das Motto von Leif Müller.
Wovon hast du dich inspirieren lassen?
„Inspiration findet mal bewusster, mal unbewusster statt. Für mich sind das vor allem Alltagsbegegnungen: Das kann eine Gruppe an Menschen sein, die man sieht und sich denkt: Wow, interessante Persönlichkeiten! Oder du entdeckst neue Musik, die etwas mit dir macht. Die Inspiration kam bei mir also eher unterbewusst. Was mich aber auf jeden Fall geprägt hat, war der Ort, an dem das Album entstanden ist: das Kulturhaus an der Willy-Brandt-Straße. Wir sind dort zu fünft und jeder macht unterschiedliche Kunst. Dann hast du mal ein Gespräch in der Küche bei einem Kaffee oder bist beim anderen im Atelier, wo jemand eine Ausstellung vorbereitet. Das Interessante ist: Obwohl wir unterschiedliche Kunstbereiche bespielen, vereinen uns die freie Arbeit und oftmals die gleichen Prozesse, aber auch die Unsicherheiten. Da ist viel Inspiration dabei.“

Dein Album in drei Worten?
„Sphärisch, zeitlos und deep.“
04.12.2025 — Mara Remmlinger
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