Stuttgarter Barber im Hype: Bevor es ins Stadion geht, geht’s zu Hazuan

Präzision entscheidet im Profifußball über Sieg oder Niederlage. In Hazuans Barbershop Babylon, den er gemeinsam mit seinem Bruder führt, geht es ebenfalls um Millimeter: saubere Übergänge, klare Konturen und ein Gespür für Proportionen. Kein Zufall also, dass auch Spieler des VfB hier regelmäßig im Stuhl Platz nehmen. Wer Woche für Woche im Rampenlicht steht, setzt beim eigenen Auftritt auf jemanden, der sein Handwerk versteht.

An den Wänden hängen signierte Trikots von Jeff Chabot, Ermedin Demirović, Bilal El Khannous und Tiago Tomás. Doch der Laden in der Schloßstraße lebt nicht vom Promi-Faktor allein. Zwischen Föhn und Rasiermesser entsteht eine Atmosphäre, die sich mehr nach einem Treffpunkt anfühlt. Musik läuft, es wird gelacht und gewitzelt. Es fühlt sich an wie ein Haufen Freunde, die einfach abhängen – nur, dass nebenbei präzise Fades entstehen.

Was hier im Spiegel entsteht, landet kurz darauf im Hochformat: Hazuan hat das TikTok- und Instagram-Game verstanden. Mit Stammkunden, Neulingen und Profifußballern dreht er kurze Videos, die seinen Prozess zeigen und generiert mit jeder Transformation Tausende Views.

Wir haben Hazuan im Barbershop getroffen und ihn unter anderem über die VfB-Stars ausgefragt.

Wer ist Hazuan in drei Worten?

„Friseur, Humor, Spaß.“

Der Shop heißt Babylon. Warum?

„Wir kommen aus dem Nordirak und da mein Vater sein Land liebt, hat er den Namen Babylon für seinen eigenen Barbershop am Marienplatz genommen. Wir haben das dann ein bisschen cooler und schöner gemacht.“

Was macht dein Laden anders als andere in Stuttgart?

„Authentisch. Wir sind wie wir sind, wir ändern uns nicht.“

Was war der schwierigste Moment auf dem Weg zur Selbstständigkeit?

„Am Anfang war es schon schwer. Es gab eine Zeit, in der wir fast verkauft hätten. Aber dann haben wir mit Social Media angefangen und es hat irgendwie geklappt. Aber es waren schwierige Zeiten.“

Was bedeutet dir Stuttgart?

„Heimat – zweite Heimat.“

Was ist dein Ziel in fünf Jahren?

„In fünf Jahren? Der beste Friseur der Stadt zu sein. Mich perfektionieren. Man ist nie der Beste, aber wir geben Gas.“

Wie kam es dazu, dass du Spielern vom VfB die Haare machst und wer war der erste, der im Stuhl saß?

„Der erste Kontakt war Silas (Katompa Mvumpa), er hat über uns gewohnt. Er war einmal da und hin und weg. Dann war er weg und in die Wohnung kam Tiago Tomás rein. Er war auch kurz bei uns und dann ist er gewechselt. Aber ich habe in der Zeit umgebaut und nochmal alles renoviert und wir haben richtig angefangen mit TikTok und Social Media – (Ermedin) Demirović hat uns dann entdeckt.
Er hat mich auf TikTok gefunden und mich angeschrieben. Und so kam das zustande. Beim ersten Besuch hatte er einen Termin … und Jeff Chabot war auch dabei (lacht). Also eins hat zum anderen geführt.“

Sind Fußballer schwierige Kunden?

„Nein, eigentlich gar nicht. Sind die einfachsten.“

Wie läuft ein Termin mit den Spielern ab?

„Ist eigentlich immer voll cool. Wir machen Musik an, einfach wie bei normalen Kunden. Bis jetzt kam es nicht vor, dass einer anders war als andere Kunden.“

Du warst beim Europa-League-Spiel in Rom dabei. Wie hat sich das angefühlt?

„Das war einer der schönsten Momente. Erst war ich in Berlin beim Pokalfinale dabei und dann das. Das ist halt cool. Man sieht, wie die Spieler im Hotel sind oder in einer anderen Stadt sind. Ja, das ist geil.“

Hast du beide Male vor Ort die Haare geschnitten?

„Ja, genau. Ich habe da auch ein paar Videos gemacht und auf Social Media gepostet. Das passiert dann so einen Tag vor dem Spiel. Ich achte darauf, dass ich das immer in deren Freizeit mache. Also so, dass sie eigentlich nichts zu tun haben. Ich passe mich immer an. In Rom zum Beispiel bin ich hingegangen und wusste ungefähr, von wann bis wann die Spieler Freizeit haben. Dann hab’ ich in der Zeit die Haare geschnitten.“

Spürst du vor einem Europa-League-Spiel ein bisschen mehr Anspannung bei den Jungs?

„Eigentlich nicht, für die ist jedes Spiel ein wichtiges Spiel. Wir unterhalten uns eigentlich über normale Sachen, nicht über den Tag.“

Gab es schon mal einen Notfallhaarschnitt kurz vor Anpfiff?

„Es passiert selten, dass wir am gleichen Tag schneiden. Es gab einen Moment, da hatte das Team erst um 21 Uhr ein Spiel, dann konnte ich das noch um 13 Uhr machen. Aber weil die Spieler sich immer ein paar Stunden vor dem Spiel schon treffen, klappt es eigentlich nicht am gleichen Tag.“

Wem würdest du gerne mal die Haare schneiden?

„Wir hatten eigentlich fast jeden Deutschrapper in Deutschland hier. Aber ich glaube, wenn man Cristiano Ronaldo gemacht hat, dann hat man es wirklich geschafft.“

Wie wichtig ist Social Media für dein Business?

„Ohne Social Media geht zurzeit gar nichts. Man muss jeden Tag posten. Ich mache das alles alleine: die Cuts, Videos aufnehmen, Kunden davon überzeugen, mitzumachen. Ich habe angefangen Videos zu machen und irgendwann habe ich die Kunden gefragt, wie sie auf uns gekommen sind, und die sagen TikTok. Dann hab ich gecheckt: Das funktioniert.“

Gibt es einen Post, der alles verändert hat?

„Eigentlich sind das die Posts mit Demirović und Chabot und dem Rest vom VfB. Die unterstützen mich auch immer. Die sind fast immer dabei, außer wenn man Zeitdruck hat.“
27.02.2026 — Mila Schmitz
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