Im Kunstgebäude am Schlossplatz widmet sich das Kunstmuseum Stuttgart einem Stoff, den einige vielleicht noch aus dem Deutschunterricht kennen: „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff. Die 1827 erschienene Erzählung wird hier vom 18. April bis zum 4. Oktober 2026 erstmals in einen Dialog mit zeitgenössischer Kunst gestellt.
Im Zentrum des Märchens steht ein junger Mann, der für sozialen Aufstieg und materiellen Erfolg buchstäblich sein Herz eintauscht und dabei seine Empathie verliert. Vor dem Hintergrund der beginnenden Industrialisierung erzählt Hauff von Geldgier, sozialem Druck und der Angst, den eigenen Platz in einer sich rasant verändernden Gesellschaft zu verlieren. Themen, die erstaunlich aktuell wirken.
Die Ausstellung greift diese Motive auf und übersetzt sie in die Gegenwart. Arbeiten von Künstler:innen wie Kader Attia, Tracey Emin oder Jenny Holzer verhandeln Fragen nach Identität, Gewalt, Affekt und Heilung. Auch ökologische Ausbeutung spielt eine Rolle. Das „kalte Herz“ wird zur Metapher für emotionale Verhärtung in Zeiten von Leistungsdruck, Konkurrenz und gesellschaftlicher Unsicherheit. Zwei eigens für die Ausstellung entwickelte Arbeiten setzen sich direkt mit Hauffs Text auseinander und eröffnen neue Perspektiven auf die bekannte Geschichte.
© Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart
