„Wir sind Kaffkiez“: Die Band über ihr neues Album und große Bühnen

Fünf Jungs aus Rosenheim, Indie-Rock zum Mitsingen und ein neues Album im Gepäck: Das ist Kaffkiez. Die Band hat sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe in der Indie-Szene entwickelt. Mit ihrem neuen Album „Wir“ knüpft Kaffkiez an diesen Erfolg an und landet direkt auf Platz drei der deutschen Albumcharts. Jetzt steht die Band vor ihrer bisher größten Arena-Tour quer durch Deutschland.

Am 9. April machen die Rosenheimer Jungs dabei auch Halt in der Liederhalle in Stuttgart. Im Interview spricht Sänger, Gitarrist und Songwriter Johannes Eisner über die Idee hinter dem neuen Album, Tourbus-Snacks, Rituale vor dem Auftritt und darüber, warum Stuttgart für die Band schon lange eine besondere Rolle spielt.

Vor ein paar Wochen habt ihr euer neues Album „Wir“ veröffentlicht. Was bedeutet das Album für euch?

„Was mich besonders an der Platte freut, ist, dass wir die Idee dieser Band nochmal auf den Punkt gebracht haben. Oftmals ist das eine ganz unbewusste Idee, die sich keiner so überlegt hat, die einfach gewachsen ist. Und dieses Gefühl, dass es ein Gemeinschaftsprojekt ist, das sehr nach Bauchgefühl und Nase geht. Unser größtes Ziel war es einfach immer, gemeinsam Musik zu machen, eine gute Zeit zu haben und Leute dazu einzuladen, mitzumachen. Das jetzt mal – ich will gar nicht sagen, zu Ende zu erzählen, weil das ist es hoffentlich nicht – nochmal unter so ein schönes Wort wie „wir“ zu stellen, war ein gutes Gefühl.“

Euer neues Album in drei Worten?

„Wir sind Kaffkiez.“



Das Album ist direkt auf Platz drei der Albumcharts gelandet. Gab es für euch einen „Jetzt haben wir es geschafft“-Moment?

„Ja und nein. Ich glaube, die Musikindustrie vermittelt einem, gerade in 2025/26, immer stark das Gefühl, dass man sich nie sicher sein kann, morgen vielleicht auch alles vorbei und alles sehr schnelllebig ist. Das kann man, glaube ich, nicht ganz abstellen. Da geht’s vielen bestimmt gleich. Auf der anderen Seite hatten wir natürlich schon einige Momente, wo man dann halt irgendwie vor zehn oder mehr tausend Leuten steht und einfach checkt: „Krass, hier passiert gerade unglaublich viel.“ Natürlich checkt man in solchen Momenten, dass das kein Schülerprojekt mehr ist, sondern, dass das wirklich Hand und Fuß hat. Und das fühlt sich schon gut an.“

Was hat euch für die neue Platte außerhalb eures Genres musikalisch inspiriert?

„Mittlerweile sind wir, glaube ich, alle Querbeet-Hörer. Am meisten Inspiration gibt uns aber die Bühne selbst. Wir sind sehr daran orientiert, was unsere Live-Erfahrungen sind. Wir haben 2024 über 70 Gigs gespielt. Dann nimmt man natürlich auch einiges an mentalem Gepäck mit nach Hause und das zu verarbeiten hat mir sehr viel Spaß gemacht. Und dann ist das einfach gewachsen. Ich würde immer noch nicht sagen, dass wir besonders konzeptualisierte Alben machen. Sondern es ist die logische Weiterentwicklung von: Wir haben es nie gelernt, aber wir lernen dazu.“

Die kommende Tour ist eure größte Arena-Tour bisher. Wie fühlt man sich, kurz bevor es losgeht?

„Vorfreude, würde ich sagen. Wir sind ja auch ein bisschen ausgehungert. Letztes Jahr haben wir nicht so viele Auftritte gespielt. Jetzt darf es, ehrlich gesagt, einfach wieder losgehen.“

Ihr hattet letztes Jahr ein bisschen Pause, ohne Tour und Festivals. Wie habt ihr die Zeit verbracht?

„Pause muss man sehr stark in Anführungszeichen setzen. Wir dachten mal kurz, wir machen Pause und haben uns dann die größte und aufwendigste Kampagne, die wir bisher gemacht haben, reingeplant. Wir haben unglaublich viel Zeit im Studio und mit Spontanaktionen verbracht. Wir waren dann doch wieder sehr viel auf der Straße, haben versucht, kostenlose Konzerte zu geben, haben eine Kinotour gemacht und einen Kinofilm geschnitten. Es war ein sehr busy Jahr. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, wir gehen jetzt erholt in diese Tour, aber es ist natürlich geil, sich die Belohnung für die Arbeit abzuholen.“

Gibt es etwas, das ihr bei der nächsten Tour, ob musikalisch oder auf der Bühne, anders machen wollt?

„Ich glaube schon, dass uns bewusst ist, dass das jetzt mit Abstand die größten Locations ever sind – für Solotour-Verhältnisse. Wir haben es uns schon zur Aufgabe gemacht, wirklich alle abzuholen und auch in der letzten Reihe das Gefühl zu übermitteln: „Wir sind jetzt da und wir holen dich da ab, wo du gerade bist.“ Dafür brauchst du natürlich auch ein entsprechendes Bühnen-Setup, die passende Setlist und die passenden Ideen, wie man das umgesetzt kriegt. Ich bin sehr gespannt, ob der Plan dann aufgeht.“

Worauf freust du dich bei der Tour am meisten?

„Generell wieder unterwegs zu sein, mit der Besonderheit, dass man diesmal in Städte kommt und in Locations spielt, die man vorher noch gar nicht kennt oder in denen wir noch nie waren. Das ist natürlich auch krass. Es sind auch ein paar Meilensteine dabei. Das Zenith in München ist für uns so ein bisschen der Heimatladen. Da haben wir früher unsere ganzen internationalen Idole angeguckt. Das ist natürlich etwas sehr Besonderes. Aber allgemein habe ich schon oft das Gefühl, dass man dieses Feedback von Leuten kriegt: „Ach krass, ihr spielt jetzt da, da habe ich früher immer XY gesehen.“ Das ist ja in vielen Städten der gleiche Vibe und das ist natürlich was sehr Besonderes.“

Was darf bei euch im Tourbus auf gar keinen Fall fehlen?

„Kaffee und Snacks. Die Snacks müssen stets aufgefüllt sein, sonst geht nix.“

Was ist dein Lieblingssnack?

„Ich hab viel Chips-Cravings. Mit Schokolade und so kriegt man mich nicht, das ist mir zu süß, aber wenn jemand so eine Tüte Chips aufmacht, dann ist auch die Uhrzeit egal.“

Habt ihr ein Ritual vor den Auftritten?

„Wir haben eigentlich immer tourspezifisch einen Song, den wir gemeinsam zum Anheizen hören. Dann sagt jeder nochmal, auf was er sich am meisten freut heute Abend und dann geht es auch schon los. Ansonsten sind wir da sehr unterschiedlich. Es gibt ein paar Kandidaten, die brauchen eine Viertelstunde mega laute Musik und zwei Energydrinks und dann geht es los. Ich bin eher so der Kandidat: Ich hätte gerne fünf Minuten meine Ruhe, bevor es losgeht. Spätestens zum Song und der Voransprache treffen wir uns dann auf jeden Fall.“

Welche Songs hattet ihr schon zum Anheizen?

„Wir hatten schon Unterschiedliches: ganz kleine local Bands aus Rosenheim bis hin zu „Don’t Stop Me Now“. Das variiert sehr stark. Hauptsache, es macht Spaß.“

Ihr spielt auch Festivals diesen Sommer. Worauf freut ihr euch besonders?

„Für uns ist es wieder eine große Ehre, zum „Hurricane“ und „Southside“ zurückzukommen. Ich hab schon sehr Bock drauf, da jetzt das zweite Mal zu spielen. Ansonsten ist es auch sehr geil, was uns da erwartet. Ich weiß gar nicht, was alles schon gesagt werden darf. Aber die meisten Sachen findet man eh schon bei uns auf der Website. Es ist auf jeden Fall eine sehr exquisite Zusammenstellung an deutschen Festivals – ich freu mich drauf.“

Am 9. April kommt ihr in die Liederhalle. Was ist eure Verbindung zu Stuttgart?

„Ich verbinde mit Stuttgart viel diese Anfangsjahre von Kaffkiez, wir waren ganz oft im clubCANN. Das waren diese Jahre: zu neunt im Sprinter, 34 Grad, die Lüftung ging nicht, dann total verbeult ausgestiegen und eine Show in Stuttgart gespielt. Aber Stuttgart ist schon ein steady Ding für uns: Es war auf jeder Tour dabei, es war am Anfang viel dabei, wir haben viel in der Region gespielt. Wir waren jetzt auch auf der Kinotour sehr viel in Baden-Württemberg unterwegs, in Esslingen und so. Ich habe aus dem Studium noch einige Freunde, die aus der Region kommen, in Reutlingen und Co. Wir sind ja quasi auch Nachbarn. Es kommen dann immer auch ein bisschen Heimatgefühle hoch. Also, ich freue mich sehr auf die Show.“

Foto © David Gottwald
18.03.2026 — Mila Schmitz
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