Wir haben Sara Dahme ein paar Fragen zu dem Projekt „Interflux“ gestellt:
Ihr wollt die Rathauspassage mit Kunst und Zuwendung zu einem angenehmeren Ort machen. Wie funktioniert das und gibt es erfolgreiche Beispiele?
Es ist eigentlich ziemlich klar: In der Sekunde, wo jemand zum Beispiel Müll in die Ecke wirft, ist die Hürde, da auch nochmal Müll hinzuwerfen, gleich runtergesetzt. Orte, um die man sich kümmert, wo jemand irgendwie verantwortlich ist, da passiert gleich was. Die Südbar in Stuttgart zum Beispiel. Am Südheimer Platz, da gibt es ein Projekt mit dem Schwerpunkt auf diesem Stadtteilquartier. Vor Ort steht jetzt so eine kleine Bude mit einer Beauftragten von der Stadt Stuttgart, die dort Quartiersarbeit macht. Und auf einmal ist da eben eine Ansprechpartnerin, es finden Sachen statt und der Platz ist sauberer, weil Menschen merken, da kümmert sich jemand drum.
Mein schönstes Beispiel ist natürlich der Kulturkiosk, als ich da einfach mal dieses Blumenbeet verändert habe und die Anwohner:innen und die Passant:innen auch direkt gesehen haben: „Okay, das ist jetzt nicht einfach nur eine Hecke, wo ich meinen Kaffeebecher reinschmeiße, sondern da scheint sich jemand drum zu kümmern”. Da passiert was mit einem.
Das ist natürlich eine alte Strategie, die eigentlich schon ganz viele Städte fahren. Kunst und Gestaltung im öffentlichen Raum verändert eben auch den öffentlichen Raum. Wir in Stuttgart sind da teilweise leider noch so ein bisschen hinterher.
Wie sind die am Projekt beteiligten Künstler:innen ausgewählt worden?
Wir haben eine große, offene Ausschreibung gemacht: Schick uns deine Idee. Was für ein Material stellst du dir vor und wie viel kostet dieses Material in etwa? Gerne mit einer Skizze oder einer Visualisierung. Also die einfachste Art und Weise, sich einzubringen.
Wir hatten super viele Bewerbungen. Mega cooles Zeug, auch ultra ungewöhnliche Sachen.
Diese offene Ausschreibung haben wir gemacht, damit die Hürde für die Künstler:innen am Projekt teilzunehmen niedriger wird. Wir wollten das, was wir uns von diesem Ort später wünschen, schon in der Umsetzung sichtbar machen. Nämlich, dass es ganz verschiedene Zugänge gibt, unterschiedliche Ästhetiken, verschiedene Kriterien oder Ansprüche an Kunst im öffentlichen Raum.
Sind es vor allem lokale Künstler:innen?
Die Ausschreibung war deutschlandweit. Teilweise International. Zum Beispiel Justyna Kökel, sie ist tatsächlich aus Ludwigsburg und Stuttgart, aber stammt eigentlich aus Polen oder Janosch Bröckner lebt in Berlin, kommt aber gebürtig aus Budapest. Chagi ist auch ein internationales Team. Wir haben darauf geachtet, auch andere Blicke auf Stuttgart mit einzubringen.
Worauf beziehen sich die Kunstwerke?
Der gemeinsame Nenner ist die Auseinandersetzung mit diesem „Unort”, mit diesem schrecklichen Ort, der eigentlich ein so wichtiger Ort ist. Nämlich ein Ankunftsort, ein Ort, der dich willkommen heißen sollte. Die Umsetzung haben wir aber sehr freigelassen. Wir haben Künstler:innen eingeladen vorbeizukommen, sich das anzugucken und haben sie eingeladen, sich zu überlegen, was sie hier verändern wollen, damit das ein Ort wird, wo man eben nicht die Nase zuhält und durchjoggt, sondern vielleicht sogar mal kurz stehen bleibt.

