Zur 50. Jubiläums-Ausgabe haben sich die Macher:innen Colyn Heinze, Sebastian Selig und Isabel Mayer einen ganz besonderen Streifen ausgesucht: „Spring Breakers“ aus dem Jahr 2012. Der Film folgt den Hauptdarstellerinnen Selena Gomez, Vanessa Hudgens, Ashley Benson und Rachel Korine auf ihrem nicht ganz harmlosen „Spring Break“-Trip, der in bunten Farben und mit energiegeladenem Soundtrack auf die Leinwand gezeichnet wird. Ausnahmsweise findet die Reihe dieses Mal an einem Donnerstag statt und startet auch schon etwas früher: Am 12. Februar geht es um 19 Uhr mit Freigetränken im Cinema der Innenstadtkinos los. Im Anschluss an die Vorführung geht es zur Afterparty die Treppe runter ins temporäre Club-Projekt Lerche 22, wo alle „Cinema Futuro“-Gäste an diesem Abend freien Eintritt haben.
3 Fragen zum Jubiläum von „Cinema Futuro“ an Colyn Heinze
Wir haben Mitveranstalter Colyn Heinze drei Fragen anlässlich des Jubiläums gestellt:
Hättest du gedacht, dass ihr es bis zur 50. Ausgabe schafft?
„Ich glaube, wir sind jetzt alle vom Typ her nicht so, dass wir sagen, wir fangen mal irgendwas an und wenn es nicht 100 Prozent unseren Vorstellungen entspricht, dann stampfen wir es wieder ein. Gleichzeitig ist „Cinema Futuro“ ja irgendwie schon auch so ein kleines Pflänzchen, das gehegt und gepflegt werden muss. Von daher sind wir sehr happy, dass wir so viele Menschen damit erreichen können.
Gerade auch die Konstellation, dass Sebastian und ich damals gestartet haben und dann auch Bella dazugekommen ist, hat dem Ganzen noch mal ordentlich Auftrieb gegeben. Die Partnerschaft mit den Innenstadtkinos macht auch einfach sehr viel Spaß. Im Rahmen dessen, was wir dort als Paket haben, haben wir wirklich ziemliche Narrenfreiheit, was Filme und Gäste angeht. Das ist wirklich eine tolle Gelegenheit, unsere Ideen und Vorstellungen verwirklicht zu bekommen.
Was ich auch nach 50 Ausgaben ganz toll finde: dieses Intergenerative. Wir haben ganz unterschiedliche Altersgruppen bei uns. Ich hätte tendenziell immer gedacht, dass wir im Durchschnitt eine ältere Altersgruppe ansprechen würden, als das letzten Endes unser Publikum jetzt hergibt. Wir sind sehr zufrieden, was auch die Anschlüsse an HdM, Filmakademie, AK, Weißenhof, etc. angeht, dass da auch immer wieder Studierende von uns mitbekommen oder allgemein junge Menschen. Ich glaube, das passiert auch gar nicht mal so selten durch eure schönen re.flect-Verlosungen, dass Leute reinstolpern, die plötzlich in einem neuen Setting sind. Uns ist es sehr wichtig, auch Leute anzusprechen, die nicht so ein cineastischer, cinephiler Circle sind.
Wenn man auf die ganzen Ausgaben zurückschaut, hatten wir auch viele spannende Verbindungen: Filme aus dem Iran, wo uns Menschen von dort die Situation geschildert haben und wie sie selbst ihre Verbindung aus Deutschland in den Iran erleben – und das war schon vor zwei, drei Jahren, auch wenn das Thema jetzt aktueller denn je ist. Wir haben viele Performances und Kooperationen im queeren Bereich gehab, mit dem Haus für Film und Medien, jetzt SMIC, zusammengearbeitet und auch die Kooperation mit dem „Stuttgarter Filmwinter“ ist wirklich toll.“

An welchen richtig guten Moment erinnerst du dich gerne zurück?
„Tatsächlich an die Situation ganz am Anfang. Wir wissen alle: Jedem Neubeginn wohnt immer ein Zauber inne. Das war auf jeden Fall so, als wir „Raw“ von der französischen Regisseurin Julia Ducournau gezeigt hatten, die dann zu dem Zeitpunkt „Titane“ rausgebracht hat. Da haben wir gemerkt: Dieses Konzept kommt offensichtlich in Stuttgart an. Bei unserer allerersten Ausgabe ist der Saal fast voll, obwohl wir jetzt nicht was extrem Gefälliges gewählt haben.
Das war auf jeden Fall ein Moment, der nachhaltig im Kopf geblieben ist und der bis heute hilft und unterstützt, die Idee weiter fortzuführen. Sonst sind es eher so die – ja, klingt sehr kitschig – aber tatsächlich die Begegnungen und neuen Bekanntschaften. Dass wir ein Stammpublikum um uns herum gebaut haben, wo man ganz, ganz viele Gesichter bei fast jeder Ausgabe sieht oder zumindest bei jeder zweiten.
Ich war früher zum Beispiel extrem gerne beim „Weird Wednesday“ und war dort auch persönlich Stammgast. Da hab ich mir eigentlich immer vorgestellt: Genau sowas sollte passieren, dass wir versuchen, die Menschen zusammenzubringen und gleichzeitig auch noch die Möglichkeit haben, danach in den Austausch zu gehen. Anstatt eines bestimmten Moments ist es also eher die dauerhafte Erfahrung, dass wir das hinbekommen.
Außerdem ist uns wichtig – da kann ich jetzt auch für Sebastian und Bella sprechen –, dass wir unsere Ziele verwirklicht bekommen: Wir zeigen ein internationales Spektrum, uns ist es wichtig, dass wir viele Regisseurinnen mit dabei haben, aber auch gleichzeitig irgendeine lokale Anbindung zu finden. Genau diese Ziele haben wir jetzt in den letzten fünf Jahren nicht aus den Augen verloren, aber gleichzeitig auch weiterentwickelt.“
Was würde bei deinem persönlichen Wunschprogramm laufen?
„Fast schon ein Guilty Pleasure: Ich will den 2019-Film „Uncut Gems“ von den Safdie-Brothers zeigen. Geht nur leider nicht, weil Netflix keine Kinorechte vergibt. An dieser Stelle Grüße an die Streaming-Riesen, die es nicht ermöglichen, solche Filme im Kino zu zeigen. Und da wäre dann natürlich Adam Sandler als Gast!“
