Farbrausch am Hans-im-Glück-Brunnen: Kalsarikännit

Wo früher das Kottan war, ist jetzt alles anders. Ende Januar 2026 ist die neue Bar Kalsarikännit dort eingezogen. Und der Unterschied ist bewusst deutlich.

Drinnen ist es vor allem eins: bunt. Blaue Samtwände, spiegelnde Kugeln, die wie kleine Planeten aus der Wand ragen. Von der Decke hängen unzählige gläserne tropfenartige Elemente, die im roten Licht schimmern. Geht man die Wendeltreppe nach unten, wird es noch verspielter: Orangene Wände mit schwarzen Punkten ziehen sich rundherum. Und die Toiletten? Komplett verspiegelt. Dazu Disco-Lichter, die sich überall brechen und reflektieren. Man muss sich kurz orientieren, bevor man weiß, wo vorne und hinten ist.

Gründerin Fatou Menneh wollte etwas schaffen, das es so in Stuttgart noch nicht gibt. „Ich will nicht, dass man reinkommt und denkt, wir haben das Kottan einfach ein bisschen verändert. Ich will, dass man reinkommt und merkt: Das ist ein komplett neuer Laden. Das ist auch wichtig, weil das Kottan so lange da war und da so viele Herzen dranhängen”. 17 Jahre lang wurde das Kottan von Andreja Maros geführt, im September war Schluss. Da man einen solchen Ort ohnehin nicht einfach ersetzen könne, sei für Fatou klar gewesen: Wenn schon Neustart, dann richtig!

Kalsarikännit

Der Name ist dabei kein Zufall. Kalsarikännit ist ein finnischer Begriff und beschreibt das gemütliche Trinken von Alkohol zu Hause in Unterwäsche, ohne die Absicht, noch auszugehen. Ganz so wörtlich nimmt man es hier natürlich nicht. Aber die Haltung dahinter passt: entspannt, ungezwungen, ohne Dresscode. Das Konzept ist klar: trinken. Eine Küche gibt es nicht. Stattdessen Kaffee, Fass- und Flaschenbiere, Wein, Cocktails, Longdrinks und verschiedene Spritz-Varianten wie Pfirsich-Brombeere, Andalō oder Veneziano. Die Karte setzt auf eine stabile Basis mit Klassikern, bleibt aber offen für Neues – saisonale Specials, spontane Ideen, Aktionen. Alles darf sich entwickeln.

Auch musikalisch ist im Kalsarikännit einiges geplant, unter anderem mittwochs regelmäßige DJ-Sessions von elektronisch bis Reggae. „Martini-Mittwoch meets Bergfest“, nennt Fatou das. Sie möchte das Ausgehen unter der Woche wieder mehr zelebrieren, gerade auch seit Institutionen wie Contain’t nicht mehr da sind und sich vieles stark aufs Wochenende verlagert hat.

Ursprünglich kommt Fatou Menneh aus dem Grafikdesign. Vor rund drei Jahren stieg sie im Kap in die Gastro ein, arbeitete dort hinter der Bar. Die Gelegenheit für den eigenen Laden kam dann überraschend: Pachtvertragshalter Uwe Wagner sei einfach auf sie zugekommen und habe gefragt, ob sie sich das vorstellen könne. „Und dann hab’ ich gesagt: Komm, lass mich mal eine Nacht drüber schlafen. Weil man das halt so macht.“ Aber eigentlich sei die Entscheidung ziemlich schnell klar gewesen.

Kalsarikännit

3 Fragen an Fatou Menneh vom Kalsarikännit:


An wen richtet sich euer Konzept?
Zielgruppe: Mensch. (lacht) Wobei, Tiere mag ich auch. Hunde dürfen gerne vorbeikommen. Aber es ist eigentlich so: Jeder darf sich wohlfühlen. Jeder darf vorbeikommen. Solange man keinen Stress macht, ist man herzlich willkommen.

Was ist dein Favorit auf der Karte?
Also ein Favorit ist auf jeden Fall unser Haus-Shot „Jääpommi“. Der schmeckt wie Eisbonbons und glitzert.

Wie war das Opening für dich persönlich?
Wir hatten ja erst mal die Abrissparty im Oktober mit großem Rambazamba. Das hat richtig viel Spaß gemacht! Und die Eröffnung und die Zeit seitdem liefen auch super. Dafür, dass wir gerade am Anlaufen sind, kann ich mich wirklich nicht beschweren. Mich erreicht super viel positive Rückmeldung. Das ist echt richtig schön.
24.02.2026 — Joe Ulrich
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