This is Art mit Johanna Krumbügel

Kreativität begleitet Johanna Krumbügel schon ihr ganzes Leben. Als selbstständige Grafikdesignerin und Illustratorin verbindet sie klassische Designarbeit mit künstlerischer Freiheit. Nach ihrem Studium an der Hochschule der Medien arbeitete sie zehn Jahre lang als Designerin in Agenturen. Ein Schicksalsschlag führte sie zurück zu ihren Wurzeln: dem Malen ohne Regeln, ohne Radiergummi, aber mit viel Mut zur Imperfektion. Ihre Kunst entsteht als Mix aus Grafik und knallbunten Farben. Wo sie Unterschiede zwischen Design und Kunst sieht, wer sie nachhaltig geprägt hat und was ihr Stuttgart bedeutet, erzählt Johanna im Interview:

Wann hast du gemerkt, dass Kunst für dich mehr als nur ein Hobby ist?
Seitdem sie mir zum Selbsterhalt dient. Sie ist ein Instrument zur Auseinandersetzung mit mir und meiner Umwelt geworden. Zu malen ist – auf gute Weise – ein innerer Drang geworden.

Wo liegen deiner Meinung nach die Unterschiede zwischen Grafikdesign, Illustration und Kunst und wo verschwimmen die Grenzen?
Alles ist miteinander verbunden. Für mich liegt der Unterschied am ehesten in der Art des Auftrags. Arbeite ich für Kund:innen, bin ich Dienstleisterin und suche Antworten auf konkrete Fragestellungen. Ich bewerte das Projekt ständig und versuche, einen inneren Abstand zu wahren. Illustration und Kunst können auch in diese Kategorie fallen. Mache ich Kunst aus einem inneren Auftrag heraus, verhält es sich anders. Dann geht es um eine ehrliche Erfahrung mit mir selbst: Etwas will gesagt oder angesehen werden, Risiken werden eingegangen, Inneres wird nach außen gekehrt. Während dieses Prozesses frage ich mich nicht, ob es jemandem gefällt oder jemanden berührt. Die Bewertung von außen kommt erst dann, wenn das Werk abgeschlossen ist.



Wie würdest du deinen Stil in drei Worten beschreiben?
Grafisch – experimentell – intim.

Welche Künstler:innen haben dich nachhaltig geprägt?
Vor ein paar Monaten war ich in der Albertina Modern in Wien, wo es eine Ausstellung zu und über Marina Abramović gibt. Ich kannte einige ihrer Arbeiten oberflächlich und wusste nicht, dass sie ebenfalls mit Hypnose* arbeitet. Das hat mich natürlich berührt. Gepaart mit der fantastischen Dramaturgie der gesamten Ausstellung durchlief ich einmal die ganze Palette der Emotionen. Ansonsten fällt es mir schwer, mich festzulegen, aber gerade hat mich David Bowie in seinen Fängen. Er sagte mal, dass er weniger an den Menschen, dafür mehr an ihren Werken interessiert ist. Ich empfinde es meist andersrum. Ich bin sehr an Menschen, deren Gedanken und Prozessen interessiert. Sobald ich tiefer in eine Biografie einsteige, verbinde ich mich mit den Künstler:innen und deren Output.

Wovon lässt du dich sonst inspirieren?
Alles, was ich erlebe, hat Einfluss auf meine Arbeiten. Meine Bilder setzen sich aus erlebten Erinnerungen und Fragmenten aus Hypnose-Sitzungen* zusammen. Sie sind Nachbilder von Momenten, die mich berührt haben und die ich durch die Malerei zu konservieren versuche. Aus aufkommenden Formen und Farben versuche ich, diese flüchtigen inneren Bilder auf die Leinwand zu transportieren.



Was machst du, wenn die Ideen mal feststecken?
Ich habe eher das Gefühl, schon jetzt zu viele Ideen für dieses eine Leben zu haben. Wenn dann begrenzen mich eher fehlende oder zu wenig ausgereifte Skills, die noch Zeit brauchen. Ansonsten: pausieren, etwas erleben und weitermachen.

Welche Bedeutung hat Stuttgart für dich als Künstlerin?
Es gibt Städte, die einen gleich umarmen, obwohl man erst seit ein paar Stunden dort ist. So war es mit Stuttgart und mir. Groß genug für eine Anonymität, klein genug für Intimität. Und obwohl ich dachte, ich kenne Stuttgart nach 16 Jahren wirklich gut, öffnet sich mir noch einmal ein ganz anderer Zugang zur Stadt, seitdem ich mit meinen Bildern im öffentlichen Raum gelandet bin. Ich habe wirklich tolle Menschen und Orte kennengelernt und freue mich auf alles, was noch kommt. Gleichzeitig ist vor allem Subkultur und Stuttgart so eine Sache. Fehlende Förderungen, fehlender Raum usw. Das ist unfassbar schade, denn der Output der Kreativszene ist fantastisch.

Was ist dein Lieblings-Spot in Stuttgart, um kreativ zu werden?
Hoch oben am Kesselrand! Ich kann mich an diesem Gefühl der Weite und dem Blick über die grüne Stadt nie sattsehen. Ansonsten liebe ich es, durch Stuttgart zu laufen und kleine, alltägliche Situationen aufzusaugen oder den einen oder anderen Plausch mit Unbekannten abzuhalten. Am liebsten mit einem Kaffee aus dem Mokuska oder misch misch. Im Sommer dann die Straße runter im Fragola Peroni trinken und auf der Straße sitzen.

*Anmerkung der Redaktion: Johanna hat in der Vergangenheit an Hypnose-Sitzungen mit therapeutischer Unterstützung teilgenommen. Mittlerweile kann sie sich selbst in den Zustand der Hypnose versetzen und nutzt diese Fähigkeit vor allem, um schöne Momente zu konservieren.
03.03.2026 — Hannah Ziesel
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