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Wortwechsel:
Kessel Festival – Burgerheart

Statt klassischem Interview lassen wir die Protagonisten bei unserem Wortwechsel selbst die Fragen stellen. Anlässlich der bevorstehenden Eröffnung des Burgerhearts in der Tübinger Straße haben wir deshalb Gastro-Koryphäe Nima Nafeei, der auch das Café LIS in der Calwer Straße betreibt, und Dominik Ochs von der Agentur Grüne Neun, der Anfang Juni das Kessel Festival mitveranstaltet, beim Baustellen-Talk belauscht.
 

Dominik: Ich saß kürzlich zum ersten Mal im LIS! Mit Feliks, den ich von früher kenne. Ihr macht das zusammen, oder? Schon mutig, noch ein Café in dieser Ecke zu eröffnen.

Nima: Ja, genau. Ach, ich mache das schon seit 2002, früher eben mit Coffee Fellows. Das Konzept hat aber nicht mehr so gepasst und wir wollten was Neues machen. Feliks ist ja selbst Start-upler und hat immer jede Menge Ideen. Erst wollten wir eine asiatische Kaffeebar machen, aber dann meinte Feliks: „Was hältst du von Lissabon?“ und ich dachte mir: warum nicht!

Dominik: Hast du denn einen Hintergrund in der Richtung?

Nima: Gar nicht! Wir haben einfach Flüge gebucht und sind drei Tage durch Lissabon gelaufen, um uns die Szene dort anzuschauen. Als wir zurückkamen, haben wir erst einmal alles rausgerissen, weil in Lissabon grundsätzlich alles sehr raw und trashig ist: Wir sind in Läden, da wolltest du nicht mal rein, als du die von außen gesehen hast, aber drinnen findest du dann top Gastronomie und ein cooles, offenes Publikum. Das hat uns inspiriert.

Dominik: Und jetzt habt ihr selbst das Fluxus-Publikum dort?

Nima: Das hat sich verteilt: ein bisschen ist am Holzapfel hängen geblieben, ein bisschen hat das Tatti mitgenommen, ein bisschen haben wir abbekommen.

Dominik: Wie kamst du denn generell in die Gastro?

Nima: Eigentlich bin ich Wirtschaftsberater, aber kam dann über Jobs in die Gastro und habe im Prinzip seit 1999/2000 nichts Anderes mehr gemacht. 2006 habe ich in Göppingen mit einem italienischen Konzept angefangen, bis letztes Jahr habe ich zehn Jahre lang das Woody‘s am Ufa gemacht, parallel dazu seit 2012 die Coffee-Fellows-Filialen und jetzt das OhJulia im Dorotheenquartier. Die Fläche hier haben wir auch schon seit 2017, aber erst jetzt die Baugenehmigung bekommen. Für den hinteren Teil, wo früher das Mäxle war, warten wir darauf immer noch.

Dominik: Das ist wirklich eine Katastrophe in Stuttgart.

Nima: Jetzt brauchen wir nur noch die Abnahme und dann soll‘s in zwei Wochen mit dem Burgerheart losgehen.

Dominik: In zwei Wochen? Alter Schwede! Ich bin nicht so oft auf Baustellen, aber das ist schon ambitioniert, oder?

Nima: Wir haben ein gutes Team, ich bin zuversichtlich!

Dominik: Das ist verrückt, wenn man einmal Gastro macht, kommt man nicht mehr raus.

Nima: Wahrscheinlich wie du, oder?

Dominik: Nee, ich habe den Absprung geschafft! (lacht) Aber ich habe damals eine Kochausbildung gemacht und danach zwei Studiengänge. Es lässt dich nie los!

Nima: Ja, es ist eine große Leidenschaft. Wir sind jeden Tag hier und das muss man wollen.

Dominik: Genau das war das Problem, ich hatte keine Lust mehr auf diese Sieben-Tage-Woche. Meine Ausbildung habe ich im Hilton absolviert und später dann in Mainz in der Sterneküche gearbeitet. Dann wollte ich wieder einen sozialeren Lifestyle haben, auch ein Leben außerhalb der Gastronomie. Deshalb habe ich in der Schweiz Hotelmanagement studiert und diese wirtschaftliche Komponente war ganz geil, aber irgendwann wollte ich auch das nicht mehr machen.

Nima: Was kam dann?

Dominik: Ein Studium der Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Nachhaltigkeitsmanagement, Finance und Automotive. Erst habe ich als Berater gearbeitet und mich dann mit meinem Kollegen Lennart mit einer Agentur für Marketing und Nachhaltigkeit selbstständig gemacht. Zu dieser Zeit habe ich auch Feliks kennengelernt! Jetzt haben wir mit der Grünen Neun unser eigenes Unternehmen mit Schwerpunkt Nachhaltigkeitsmanagement und -kommunikation. Außerdem machen wir eine neue Veranstaltung hier in Stuttgart, das Kessel Festival.

Nima: Wie kam es dazu?

Dominik: Auf dem Wasen sind ja fünf Veranstaltungen im Jahr erlaubt und wir haben es geschafft, uns diesen Slot vom HipHop Open, das es nicht mehr gibt, zu schnappen. Dann haben wir mit C2 Concerts und Tobias Reisenhofer vom Marienplatzfest und dem Stuttgart Festival eine GmbH gegründet. Die drei Gesellschafter sind praktisch die Grüne Neun, Do The Do und C2. Wir sind echt gut vernetzt und konnten dadurch viele Partner gewinnen: Die EnBW wird auf dem Gelände einen Mobilitätsparcours anbieten und Globetrotter verwandelt das Reitstadion in eine Zeltstadt. Es gibt neben der Mainstage auch noch den Übermorgen Markt mit über 80 Ausstellern, eine Fair-Fashion-Area und einen Foodcourt mit ausgewählten Trucks und Ständen. Das wird ‘ne geile Fete!

Nima: Das Thema Entertainment wollen wir hier auch noch reinbringen. Es wird zwar die 17. Burgerheart-Filiale, aber mit einem neuen Konzept: Im Restaurant gibt es eine DJ-Kanzel. Es soll zwar keine Partymeile werden, aber so kommt ein bisschen Unterhaltung rein.

Dominik: Das Konzept gibt es auch so noch nicht in Stuttgart, oder? Ich kenne das nur aus dem Ausland.

Nima: Genau, in Amerika gibt‘s das oft. Und so kann man auch mal nur was trinken und sich hinsetzen. Außerdem werden wir samstags und sonntags auch Frühstück anbieten: California Breakfast Club mit pochierten Eiern, Avocado, Pancakes und vegetarischen und veganen Optionen.

Dominik: Und was passiert mit dem hinteren Teil des Ladens?

Nima: Da kommt ein neues Konzept rein. Was ich schon mal verraten kann: Es wird was zu essen geben und es wird auch bedient – das fragen mittlerweile viele! (lacht) Die Stuttgarter mögen wirklich keine Selbstbedienungskonzepte, deshalb haben wir jetzt auch im OhJulia, komplett auf Fullservice umgestellt. Die Küche soll mediterran werden und sieben Tage die Woche geöffnet sein. Wir stehen in den Startlöchern und warten nur noch auf die Genehmigung!

Dominik: Die Location ist auch echt cool! Das ist natürlich der Vorteil. Wenn man eine Fete macht und es dann schifft, hat man trotz Vorverkauf verkackt. Die Lage hier ist top und ich glaube, die Tübinger Straße wird in drei Jahren so etwas wie die neue Königstraße sein mit jeder Menge Agenturen, Gastro und kleinen Läden.

Nima: Ja, das hat sich schon echt entwickelt.

Dominik: Das ist schon ein richtig guter Zeitpunkt gerade! In zwei Wochen macht ihr auf, sagst du?

Nima: Genau, dann treffen wir uns da zum Anstoßen!

 
Vielen Dank an unseren Fotografen Jakob Marwein! instagram.com/jakob_mrwn

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1 Kommentar

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    Ein Herz aus Hack: Burgerheart - re.flect Stuttgart
    1. Mai 2019 at 19:27

    […] wird. Was auf der Fläche sonst noch passieren soll, hat uns Geschäftsführer Nima Nafeei im Wortwechsel […]

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