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PLATTFORM #82:
„COMING HOME!?
VON CHRISTOPH „MARZ“ SCHWARZ

Marz Plattform

Christoph „Marz“ Schwarz, Bandleader bei „Marz & die Bixtie Boys“, Host und Mitveranstalter bei „Rapkessel“ & „Rapfilm“, Vorstand bei „Wü-Tem Clan e.V.“ und Bürger einer schönen Stadt.

Gestern meinte jemand in der U1 Richtung Süden: „Das Einzige, was mich hier noch hält, sind die Baustellen!“ Alle so: „Häh?“ Er direkt: „Ohne die würde ich hier wenigstens irgendwo raus finden!“ Alle so: „Brüller“. Ich so: direkt umgesetzt.

Ich kann es nicht mehr hören. Sämtliche Baustellenwitze, Bahnhofssprüche oder Bruddeleien geben zwar oft Stoff zum Dialog und Flachwitz, aber folgen doch nur einem Wunsch: dem zur Flucht. Und wohin? Und vor was? Und bin ich dabei ehrlich? Habe ich nicht nur einmal beim über einen Tapetenwechsel in eine viel angesagtere Stadt nachdenkend bemerkt: Auf der inneren Landkarte sind schon mehr Städte gestrichen, als US-Staaten für die Simpsons?

Hamburg? Voll schön, aber regnet halt immer. München? Voll schön, aber zu viel Bayern, sagt der Vater (und hat mit beidem recht). Berlin? Voll schön, aber da fühl ich mich nicht sicher (#Palmervoice). Frankfurt? Voll schön, aber nur Touristen. Köln? Duisburg? Das andere Frankfurt? Dein Ernst? Schwupp­di­wupp – bin ich zwar viermal umgezogen aber eben nur von West nach Süd, statt von Wangen an die Westcoast. Nun eben auch schon eine Dekade nicht den Weg aus meinem eigenen Charlottenplatz, also der einstigen Durchgangsstation, gefunden.

Klar, jedes Loch hat seine Verkehrsprobleme. Und Wohnmangel. Und Feinstaub. Und eben Baustellen. Und ………………….. (setze hier dein einmaliges, persönliches, lokales Promblemchen ein). Aber mal Eines: Die Stadt wird auch nicht cooler, wenn du jetzt weg ziehst! Ok, trifft jetzt vielleicht nicht auf dich oder mich persönlich zu, aber so allgemein halt 😉

Daher könnten Skeptikerfalten ruhig auch weiter hier ihre Skeptikerfalten bekommen. Ob nun gebürtig oder zugezogen, ist eben doch meistens nur so nett und „original“ wie die Menschen, die dieses Fleckchen Erde bewuseln.

Gehen wir mal davon aus, diese, unsere schöne Kleinstadt hier im Süden ist der erste, vielleicht zweite, Zwischensstop nach Verlassen des elterlichen Zuhauses in Affalterbach nach Kreuzberg oder so. Was, wenn die nächstgrößere Metropole ebenfalls zu übersichtlich wird? Dann Paris? Dann New York? Dann der Mond? Und überall nur Tourist(en). Denn, auch klar, jedes unserer in der Ferne glänzenden Wunschziele wird sowieso eher früher als später vom nächstbesten noch heller scheinenden Stern am Auswandererhimmel abgelöst. Gibt ja auch verdammt schöne Ecken. Wie soll ich mich denn zwischen einem bis sechs Sommern in Amsterdam oder in Barcelona entscheiden – in Konny Reimanns Namen?

Der Reiz nach Neuem und danach, mehr von einem Ort sowie einer Kultur zu ergattern, als durch einfaches Reisen möglich, ist ja dann doch oft ein mieser Gegner in der U1, denk ich mir und skippe von „Höha, schnella, weita.“ auf „Sky is the limit“. Drei Stationen noch und daheim lehn‘ ich mich jetzt erst mal weit aus dem Fenster zum Heusteigviertelhof, breche schwäbisches Dekret und behaupte: Wir haben es hier nicht nur nicht schlecht, sondern verdammt gut. Sonnenstunden, Kessellage, die nicht nur einheimische Küche und scheiße noch mal kurze Wege find‘ ich persönlich schon Zucker.

Also warum nicht einfach bleiben oder zurück kommen und nicht nur das Beste, sondern mal meinen/seinen/deinen Job gut und daher was noch Besseres draus machen, als wir hier sowieso schon haben.

Ich bleib‘ dann mal noch ein bisschen, vielleicht treff‘ ich dich ja auch noch irgendwo hier in der Gegend …

P.S.: … bevor ich nach Südfrankreich ziehe.

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