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re.flect Redaktion

News

Der Kessel wird bunt: CSD 2022

CSD

Der diesjährige Christopher Street Day in Stuttgart steht unter dem Motto „Community.Kraft.Europa.“ und stellt damit neben dem Kampf gegen Diskriminierung vor allem auch den Austausch und die Community in den Vordergrund. Diese muss nämlich zusammenhalten, um etwas in den EU-Ländern zu verändern, in denen die Rechte von LSBTTIQ noch immer nicht ausreichend geschützt sind. Zu den Highlights der zweiwöchigen CSD-Kulturtage zählen neben zahlreichen kulturellen und politischen Veranstaltungen vor allem die große Politparade als Zeichen für Vielfalt und Gleichberechtigung am Samstag, dem 30. Juli. Nach der Tour durch die Innenstadt endet das Event mit einer Kundgebung und der Hocketse auf dem Markt- und Schillerplatz sowie der Kirchstraße.

Info: CSD
15.–31.07.22
stuttgart-pride.de

Bilcredit © IG CSD Stuttgart e.V.

Kunst Musik

Im Theaterhaus wird wieder getanzt: Colours International Dance Festival

Colours

Im Theaterhaus dreht sich vom 25. Juni bis zum 17. Juli alles um die Kunst des Tanzes: Das „Colours International Dance Festival“ bietet fast vier Wochen lang Darbietungen weltberühmter Tänzer:innen und Ensembles, Premieren und anderen Aufführungen. Die Mitmach-Aktionen, wie z. B. die neuen Pop-up-Workshops von Choreograf und Initiator Eric Gauthier auf einem Pick-up-Truck inklusive Tanzfläche, verteilen sich erstmals nicht nur auf die Innenstadt, sondern auch auf die verschiedenen Stadtteile.

Das Festival holt 17 Companies aus aller Welt auf die Theaterhaus-Bühnen, weltberühmte künstlerische Schwergewichte treffen dabei auf aufregende Rising Stars. Sie präsentieren eine künstlerische Bandbreite von Ballett über Modern Dance bis Breakdance – und natürlich darf auch die Theaterhaus-Company Gauthier Dance nicht fehlen. Weitere Highlights sind die Deutschland-Premiere von „BLKDOG” des UK-HipHop-Kollektivs Far From The Norm (Foto unten) und „Chapter 3: The Brutal Journey of the Heart” von L-E-V (Foto oben) auf einem Klangteppich aus Technobeats. Let´s dance!

Info: Colours International Dance Festival
25.06.–17.07.22
Theaterhaus Stuttgart
coloursdancefestival.com

Colours

Bildcredits © Camilla Greenwell / Stefan Dotter

Stadtblick

Stadtblick Fotograf Frank Hörner

Stadtblick Frank Hörner

Ganz nach dem Motto „Andere Städte haben eine Skyline, wir haben den Kessel” setzt der Fotograf Frank Hörner die Architektur und die Urbanität in Stuttgart in Szene. Dabei versucht der gebürtige Stuttgarter, Formen und Linien in Verbindung mit Menschen in Einklang zu bringen und so das Perfekte im Imperfekten zum Ausdruck zu bringen.

Stadtblick

Stadtblick

Stadtblick

Stadtblick

Stadtblick

Stadtblick

Stadtblick

Allgemein

Illustration Jan Anderson – „Danke“

Jan Anderson Illustration

Danke

„Die Pandemie scheint auszulaufen, aber anstatt mal durchatmen und gelassen die überstandenen letzten zwei Jahre feiern zu können, trüben gleich die nächsten Schicksale das Gemüt. Viele Ungerechtigkeiten bereiten Sorgen – einige davon gab es aber auch schon vor Corona und Klimarettung braucht wohl ebenfalls noch länger als gedacht.

Was ich meine, ist, es gibt immer etwas Wichtigeres oder Dringlicheres zu tun, als zu feiern oder zu einer Kulturveranstaltung zu gehen. Aber gerade, wenn es zu viel zu tun gibt und es einiges zu verarbeiten gilt, tun genau diese Momente so unglaublich gut – nicht zur Ablenkung, sondern als wichtiger Gegenpol.

Also danke an alle, die dieses Heft 100 Ausgaben lang mit Gelegenheiten gefüllt haben, um die schönen Seiten des Lebens zu feiern.“

Illustriert von Jan Anderson
Freier Illustrator, Grafiker und Kunstpädagoge
jan-anderson.de

Genuss Interview

Kaffeepause auf italienisch: O’Ccaffè

O’Ccaffè

Hochwertige Kaffeemischungen aus besten Zutaten bilden die Basis für die Marke O’ccaffè. Die italienische Kaffeemanufaktur bietet nicht nur feinste Bohnen, Pads, Kapseln und gemahlenen Kaffee für zuhause an, sondern produziert auch eigene Mischungen für den Handel und die Gastronomie. Wir haben uns mit Geschäftsführer Floreano Vivenzio – natürlich auf einen Espresso – getroffen: Weiterlesen

News Shopping

Schöne Steine und mehr:
Maki handmade art

Maki Handmade Art

Der Name ist Programm: Auf Quechua, einer in den Anden verbreiteten indigenen Sprache, steht der Begriff „Maki“ für „Hand“ – und bei Maki in Stuttgart ist alles von Hand gefertigt! Nach ihrem eigenen Onlineshop via etsy sowie Ständen auf Märkten und Messen konnten Frederike und Camilo im März ihren ersten eigenen Store vor Ort im Stuttgarter Westen eröffnen. Hier bietet das Ehepaar in seinem Showroom mit Werkstatt Einblicke in die eigene Arbeit und verkauft Ohrringe mit Quarz-Kristall, filigrane Ketten mit Edelstein-Anhängern und Armreifen im Boho-Look. Zukünftig sind auch Workshops geplant, außerdem ist das Team auch für Sonderanfertigungen und Bestellungen offen.
 
Maki
 

Info Maki:

Bismarckstraße 47
fb.com/makihandmadeart

Plattform

Plattform: Atahan Demirel

plattform

Atahan Demirel ist Teil der queeren Community in seiner Heimatstadt Stuttgart, über die er dieses Mal in unserer Plattform schreibt. Als queerpolitischer Sprecher der Grünen Stuttgart und Vorstandsmitglied bei der Aidshilfe BW setzt sich der 29-Jährige für eine inklusive Gesellschaft ein.
 
Was also beschäftigt queere Menschen in Stuttgart?
 
Leere Clubs, keine größeren Veranstaltungen und weniger Leute am Wochenende in der Innenstadt. So sah die Realität der Stuttgarter*innen wegen der Corona-Situation in der letzten Zeit aus. Sie musste so aussehen, denn Gesundheit geht vor. Nichtsdestotrotz waren das schwierige Zeiten, insbesondere für queere Menschen. Natürlich nicht jedes Mitglied, doch ein Großteil der queeren Community trifft sich nämlich nachts in Bars, Clubs und Restaurants. Auch Reiseführer nennen üblicherweise Etablissements, die am Abend oder in der Nacht besucht werden, wenn sie queere Orte in Stuttgart vorstellen. Meistens können sich queere Menschen da freier entfalten. Freunde und ich sind zum Beispiel als Draqqueens auf eine Party gegangen – tagsüber hätten wir das nie gemacht.
 
Doch wo verweilen denn Menschen der LSBTTIQ-Community in Stuttgart tagsüber? Natürlich partizipieren sie genauso wie alle anderen Menschen am sogenannten herkömmlichen Alltag. Unter anderem spazieren sie also am mittleren Schlossgarten, flanieren durch die Königsstraße oder treiben Sport im Fitnessstudio. Allerdings nicht immer so, wie sie das gerne tun würden. Ein gleichgeschlechtliches Paar wird es sich zweimal überlegen, ob es händchenhaltend durch die Straßen geht. Es besteht nämlich die Gefahr mit seltsamen Blicken und blöden Sprüchen konfrontiert zu sein. Auch ich würde auf einer stark frequentierten Straße nicht Händchen haltend gehen, viel zu groß wäre die Befürchtung vor einer feindseligen Konfrontation.
 
In Wirklichkeit bedarf es an Orten, an denen queere Menschen auch tagsüber verweilen können, ohne Verurteilung und Ausgrenzung befürchten zu müssen. Gerechterweise sollte betont werden, dass die Landeshauptstadt grundsätzlich bunt ist und vieles zu bieten hat. Doch ein inklusives Regenbogenhaus mit ausreichend hohen finanziellen Mitteln wäre schon auch eine gute Sache. Ein Ort also, bei dem die queere Community mit den verschiedenen Mitgliedern in Sicherheit interagieren kann.
 
Queere Begegnungen und Treffpunkte befinden sich normalerweise in urbanen Räumen, weshalb Personen der Community häufig von ländlichen Gebieten nach Stuttgart ziehen. Das hat auch damit zu tun, dass die Wahrscheinlichkeit sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen in der Stadt höher ist, als auf dem Land. Vor diesem Hintergrund leiden insbesondere queere Menschen unter den hohen Mieten in Stuttgart. Dieser Mietenwahn drängt sie an den Rand der Stadt, wo es noch einigermaßen erschwingliche Wohnungen gibt. Dazu kommt die Tatsache, dass das Steuersystem die Lebensrealitäten von queeren Menschen nicht berücksichtigt. Das sogenannte Ehegattensplitting stellt einen Steuervorteil von verheirateten Paaren gegenüber unverheirateten Paaren dar. Tendenziell sind queere Menschen seltener verheiratet oder in einer Lebenspartnerschaft. So gut wie alle meiner queeren Freunde beispielsweise sind nicht verheiratet, auch wenn sie sich in einer langjährigen Partnerschaft befinden. Eine Heirat passt nicht in ihr Credo.
Natürlich betreffen das Ehegattensplitting und der Mietenwahn nicht nur queere Personen, jedoch leiden diese im Grunde überproportional darunter. Es gibt zwar Bemühungen die Mietpreise zu reduzieren oder auch eine bessere Lösung als das Ehegattensplitting zu finden, doch dabei sollten auch die Lebensrealitäten von queeren Menschen beachtet und berücksichtigt werden.
 
Das gilt auch für viele weitere Sachstände. Immer wieder finden queere Welten in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft keine ausreichende Berücksichtigung.
Vor diesem Hintergrund wäre es beispielsweise ein schönes Zeichen, wenn die Stuttgarter Stadtverwaltung Druck bei einigen Partnerstädten ausüben würde, in denen queere Menschen systematisch diskriminiert werden. Einige der Partnerstädte befinden sich in Ländern wie Ägypten, Tunesien, Polen oder Indien, wo queere Personen unterdrückt und schikaniert werden. In Ägypten wurden vor nicht allzu langer Zeit Personen aus der LSBTTIQ-Community wegen ihrer sexuellen Orientierung gefoltert und misshandelt. Vor ein paar Jahren wurde in Polen mehrere Gebiete als LGBT-freie Zonen deklariert, was eine umfangreiche Diskriminierung bezeugt. Es ist schon klar, dass beispielsweise die Beendigung einer Städtepartnerschaft die Queerfeindlichkeit in einem ganzen Land höchstwahrscheinlich nicht beseitigt. Doch es wäre für die hiesige Bevölkerung ein Zeichen von Beachtung und Solidarität.
 
Demirel
 
Text © Atahan Demirel
Illustration © Anna Ruza (Grafikerin & Illustratorin)