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MAX HERRE
IM INTERVIEW

Max Herre Stuttgart

Er war Mitbegründer der Kolchose, einer der Köpfe von „Freundeskreis“ und gehört mittlerweile zu den Urgesteinen der Stuttgarter Musikszene: Wir haben mit Max Herre über sein Ende letzten Jahres erschienenes Album „Athen“ gesprochen und herausgefunden, was er so treibt, wenn er seiner „1sten Liebe“ mal wieder einen Besuch abstattet …

Hi Max, dein neues Album „Athen“ ist ja mittlerweile schon recht erfolgreich, wie lange hast du daran gearbeitet?

Lange! Ich glaube, intensiv daran gearbeitet habe ich drei Jahre. Vorher hatte ich schon mal eine Phase, in der ich Ideen und Input gesammelt habe, aber die tatsächliche Arbeit am Album hat ungefähr drei Jahre gedauert.

Und bist du zufrieden?

Ja, ich mag es gern. Wir haben außerdem ein schönes Artwork dazu gemacht, ein Fotobuch erstellt und einen 20-minütigen Musikfilm dazu gedreht und ich ich finde das als Gesamtwerk durchaus gelungen.

Gibt es irgendwas, was du gerne anders gemacht hättest?

Eigentlich nicht. In Zeiten von Streaming und Click-Zahlen wäre es schön, wenn die Leute ein bisschen mehr Zeit hätten, um das Album eben auch als Einheit, als großes Ganzes wahrzunehmen. Es ist ein geschlossener Komplex, den ich beschreibe. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Leute, die sich so etwas wünschen, etwas das man sich als Ganzes anhören kann, das eine Geschichte erzählt und miteinander Sinn ergibt.

Wäre ja auch schade, wegen des sich ändernden Hörverhaltens der Leute kein Album mehr heraus zu bringen …

Genau und man ist froh, wenn man zu dem Zeitpunkt, in dem man das Album loslässt damit glücklich ist. Es gibt immer Sachen, die man anders machen könnte, insgesamt bin ich aber sehr zufrieden. Ich habe auch zwischenzeitlich einige andere Alben gemacht, auch mit Joy und anderen Künstlern, und es ist immer schön, was zu machen, was einen geschlossenen Kosmos darstellt.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Trettmann? Man verortet euch beide ja in recht unterschiedlichen Stilrichtungen, soll durch die Zusammenarbeit das Album für eine jüngere Generation geöffnet werden?

Es gibt viele Parallelen: Wir sind gleich alt und ungefähr gleich lang am Musik machen. Ich halte Trettmann für einen großartiger Liedermacher und Songwriter mit tollen Songs wie „Billie Holiday“ oder „Grauer Beton“. Er kam immer eher aus dem Dancehall, während ich ursprünglich eher im HipHop verortet werde, aber auch da gibt es viele Parallelen. Als ich mit 15 in der erste Band spielte, waren wir sehr Reggae-orientiert. Vor allem aber passt Trettmann musikalisch und inhaltlich einfach gut zum Lied.

Was hat dich letzter Zeit sonst noch musikalisch überzeugt?

Am liebsten höre ich gerade NTS Radio. Ich habe mir die App runtergeladen und da findet man tolle Playlisten. Am meisten feiere ich gerade eine Clique junger Frauen aus London, die sich BORN N BREAD“ nennen.

Was steht als nächstes bei dir an?

Ich arbeite gemeinsam mit Roberto Di Gioia und Web Web an einem Spiritual-Jazz-Album, das im Herbst erscheinen soll. Vorbilder waren Künstler wie Yusef Lateef oder Alice Coltrane, aber auch Mulatu Astatke, der Begründer des Ethio Jazz.

Mit wem würdest du gerne noch zusammenarbeiten?

Die Liste ist sehr lang. Das fällt mir aber eigentlich immer erst ein, wenn ich einen Song fast fertig aufgenommen habe. Dann höre ich eine bestimmte Stimmfarbe, die noch dazu passen würde – ähnlich, wie man ein bestimmtes Instrument hört – und dann frage ich die zur Stimme gehörende Person, ob sie Lust hätte. Manchmal klappt es.

Du machst mit der Tour auch wieder in Stuttgart Halt. Fühlt sich das in deiner Heimat anders an als in anderen Städten?

Klar. Meistens sind Familie oder alte Freunde im Publikum. Da will man es besonders gut machen. Und dann gibt es ja auch Songs, wie „1ste Liebe”, die für die Stuttgarter natürlich noch einmal eine ganz andere Aufladung haben als in anderen Städten.

Kürzlich ist ein verschollener Track von dir und der Kolchose mit Puff Daddy aufgetaucht – erinnerst du dich noch daran und wie es dazu kam?

Er hatte uns 2000 zu seiner Tour in die Schleyer-Halle eingeladen. Nach der Show waren wir zusammen im damaligen OZ. Um drei Uhr nachts fragte er plötzlich, ob wir ein Studio hätten. Thomilla und ich sind dann losgefahren in sein Studio in der Neuen Weinsteige. Milla hat in Windeseile einen Beat gebaut und ich einen freestyleartigen Text gescribbelt. Man muss dazu sagen, das wir ziemlich Alkohol im Blut hatten. Ich bin in die Gesangskabine und hab meinen Text eingerappt. Plötzlich stand Puffy, wie er damals noch hieß, neben mir und hat Adlips gemacht, während ich einrappte. Es war eine sehr witzige Nacht.

Wie sieht für dich ein perfekter Tag in Stuttgart aus?

Ich bin meistens bei meinen Eltern im Stuttgarter Westen, schlafe lang und frühstücke spät. Dann gerne auf einen Kaffee am Marienplatz im Galao oder dem Condesa und auch wie sich die Tübinger Straße entwickelt, finde ich sehr gut. Ich mag die Galerie Kernweine und was unter der Paulinenbrücke so passiert, finde ich absolut unterstützenswert. Ansonsten lauf ich da eben weiter meine Route. Ich mag an Stuttgart, dass man immer noch Leute trifft und auf der Straße plaudert.

Famous last words?

In vierzig Jahren dann!

Foto © Robbie Lawrence

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