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WORTWECHSEL
STADTLÜCKEN & EBENE 0

Wortwechsel

Statt klassischem Interview lassen wir die Protagonisten bei unserem Wortwechsel selbst die Fragen stellen. Da das Thema „Platz“ im Kessel nach wie vor brandaktuell ist und sich immer wieder neue Initiativen zusammentun, verfügbare Orte anzugehen, haben wir uns mit zwei wichtigen Akteuren in Sachen (temporäre) Verwendung ungenutzter Plätze und Räume in Stuttgart zusammengesetzt. Im Gepräch sind Jan und Daniel von der Ebene 0 sowie Marco und Franzi vom Stadtlücken e.V.:

Jan: Wie viele Leute seid ihr denn bei Stadtlücken e.V.?

Marco: Gute Frage. Ich würde mal sagen zehn sind es fix, manchmal 15. Gerade kommen einige dazu, aber es ist anfangs schwer, thematisch rein zu kommen. Wir treffen uns jeden Mittwochabend um Dinge zu besprechen, manche haben aber auch einfach nicht die Zeit dafür. Wir haben ja alle noch andere Jobs oder studieren. Wir essen davor immer zusammen und mit bis zu 26 Leuten wird das manchmal schwer, wir haben ja momentan noch kein Vereinsheim oder so.

Franzi: Das ist echt ein bisschen die Krux – wir sind der Verein für Raumlücken und haben keinen Raum …

J: Wenn ihr Lust habt, könnt ihr euch auch gerne hier treffen!

F: Wir brauchen halt etwas, wo wir verköstigt werden können.

M: Wenn ihr für uns kochen wollt, cool! (lacht) Ne, Räume an sich findet man schon. Wir treffen uns auch manchmal in Kneipen, aber das ist dann oft zu laut. Wir treffen uns immer um 19 Uhr, da kommen die meisten hungrig von der Arbeit.

F: Wie viele seid ihr denn?

J: Momentan sind wir zu elft. Wir haben 2012 so angefangen wie ihr und haben uns regelmäßig getroffen, anfangs hatten wir Öffnungszeiten von Donnerstag bis Samstag aber nach zwei Jahren haben wir gemerkt, dass das doch ziemlich viel Engagement fordert für „so nebenher“. Seither machen wir es so, dass jeder der eine Idee hat, einen Ausstellungs- oder Konzertwunsch oder ähnliches, sich selbst um alles kümmert. Also nicht nur um ein bisschen Aufbau sondern um die gesamte Orga und auch um die Werbung.

F: Habt ihr einen Rat für uns? Ihr seid ja ein schon viel länger bestehender Verein.

Daniel: Ich gaube einen pauschalen Rat kann man nicht geben. Was wir in unserem Verein festgestellt haben, ist, dass das Engagement auf jeden Fall da sein muss, um was zu bewegen. Es muss jeder machen können, worauf er Lust hat, ohne Hierarchien und zugeteilte Aufgaben. Durch Unzufriedenheit geht das Engagement stark nach unten. Jetzt macht jeder, auf was er Lust hat und so funktioniert das auch ganz gut. Wenn man zum Beispiel Lust auf einen Künstler hat, dann begleitet man ihn auch gerne, auch wenn er viel Zeit einfordert.

M: Das haben wir auch festgestellt: Der Spaß an der Sache ist das Wichtigste!

D: Ja genau, wenn man das als Arbeit oder Stress sieht, funktioniert es nicht. Ihr habt wahrscheinlich noch viel mehr Möglichkeiten, da ihr so einen großen Platz zur Verfügung habt.

M: Wir sind ja nicht nur der Österreichische Platz. Wir haben noch viele andere Sachen, aber der Platz ist natürlich schon das mit Abstand zeitaufwendigste Projekt. Daher haben wir momentan auch nicht wirklich Kapazität, andere Sachen zu machen, auf die wir Lust haben.

J: Die Ebene 0 wird gut angenommen und von Seiten des Parkhauses ist auch alles super – die finden eigentlich alles gut, sei es der Dachgarten oder diese ganze Tapeziergeschichte. Man könnte an sich aber noch viel mehr machen …

M: Anfangs war die Euphorie da und nach drei Jahren ist die abgeflacht, aber woran liegt das?

J: Anfangs wollten wir sehr konzeptionell arbeiten und haben uns viel unterhalten, „Wer kuratiert die Ausstellung?“ und so weiter. Da hat man sich echt aufgerieben und dann hat man irgendwann gemerkt, dass das Publikum doch sehr klein ist. Wenn du Donnerstag bis Samstag aufmachst, die Vernissage voll ist und Freitag und Samstag nur noch drei Leute kommen, stellt man sich irgendwann die Sinnfrage.

D: Zu uns kommt man halt auch echt nur, wenn man eine Veranstaltung interessant findet, Laufpublikum gibt es eigentlich keines. Leute schauen sich die Ausstellung auch nicht an, nur weil jemand was in der Ebene 0 macht. Es muss immer als Event begriffen werden.

M: Das ist uns auch aufgefallen, dass alles immer ein Event sein muss. Eine Vernissage oder eine Party und der Inhalt ist dann oft zweitrangig, es geht um die Feier.

F: Ist ja auch schön, das Miteinander zu verbinden, aber trotzdem ist das Empfinden total eigenartig, dass es immer eine Party sein muss und sich sonst den Künstler keiner anschaut.

J: Es ist halt alles mit einem gewissen Aufwand verbunden und dann stellt sich die Frage, ob dieser sich lohnt. Daher ist es hier jetzt auch mehr pop-up-mäßig. Es gibt zwar Events, die sich etabliert haben und die super funktionieren, z. B. Fumes & Perfumes – da ist das ganze Parkhaus voll, dieses Jahr waren es 1000 Leute.

D: Wie geht es bei euch weiter?

F: Bei uns gab es ein paar Anwohnerbeschwerden, daher machen wir gerade eine Pause mit Sachen, die laut sind. Da wir uns ja als offenes Experimentierfeld sehen, muss man gemeinsam mit den Anwohnern testen, was geht und was nicht und auch die Stimmen von außen ernst nehmen. Zum größten Teil sind die Reaktionen aber sehr positiv. Was als nächstes kommen wird, ist ein bisschen Infrastruktur. Zusammen mit Industriedesignern von der Kunstakademie schauen wir nach Licht, Deckengestaltung und Sitzgelegenheiten.

M: Außerdem schauen wir gerade, was man wegen der Lautstärke machen kann, welche Art von Anlagen verwendet werden können und wo man was hinstellen muss, damit es eben nicht Richtung Anwohner schallt. Wir sind da auf jeden Fall im Dialog mit Profis damit auch Veranstaltungen stattfinden können und die Menschen drum herum nicht gestört werden.

Fotos: © Jakob Marwein

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